Biotreibstoffe unterbewertet trotz Riesenpotenzial

CO2-REDUKTION Um die ambitiösen Klimaziele zu erreichen, wird es ohne Biotreibstoffe nicht gehen, wie am 6. Bioenergie-Forum in Solothurn deutlich wurde: Nur Hybrid ist zu wenig und Elektro­mobilität ist (noch) nicht langstreckentauglich.

Biotreibstoffe Power-to-Gas p2g TIR transNews
Auch Power-to-Gas gehört in die Kategorie Biotreibstoffe: Das deutsche Tech-Unternehmen Electrochaea baut in Aarmatt Solothurn noch dieses Jahr eine Methanisierungsanlage mit 30 Nm³/h Methan­produktion (Bild: Pilotanlage in Dänemark).

Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme Empa, verstand es mit seinen Diagrammen, das Dilemma auf den Punkt zu bringen. Vergleicht man nämlich die CO2-Lebenszyklusemissionen miteinander, so zeigt sich, dass der Treibstoff – also die Herkunft der Energie – wichtiger ist als das Antriebskonzept. Massgebend sind nämlich vor allem Fahrleistungen. Zwar sind 70 Prozent der täglichen Fahrten von Fahrprofil und Distanz her für Elektrofahrzeuge geeignet. Nur: Die restlichen 30 Prozent machen dafür 70 Prozent der Strecken aus. Hier den Hebel anzusetzen, ist also viel zielführender. Der Benzin/Diesel-elektrische Hybrid­antrieb reduziert in seiner Lebenszeit lediglich 15 Prozent CO2. Für die ehrgeizigen Klimaziele (2021: 95 g/km, 2025: 81 g/km und 2030: 67 g/km) ist das schlicht zu wenig.

verkehrswende ist unausweichlich Um das Zwei-Grad-Ziel des Klimaabkommens von Paris bis 2050 und die CO2-Vorgaben der beschlossenen Energiestrategie 2050 zu erreichen, braucht es auch eine Verkehrswende. Die erneuer­baren Biotreibstoffe wie Biodiesel oder Biogas spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie können als Ersatz von Benzin, Diesel oder Erdgas die CO2-Emissionen massiv senken. Deswegen soll ihre Nutzung bis 2030 verdreifacht werden, wie Arthur Wellinger, Vizepräsident des Verbands Biomasse Suisse, aus dem jährlichen Bericht der International Energy Agency zitierte. Biotreibstoffe haben den Vorteil, dass die Infrastruktur zum Tanken und die Technologie des Verbrennungsmotors bereits bestehen und laufend optimiert werden. Insbesondere die Nutzfahrzeugbranche ist mit ausgereiften Motorentypen für die Biotreibstoffe gerüstet, wie Gerhard Waser, Generaldirektor Scania Schweiz, anhand des Motoren-Portfolios aufzeigte. Gute Chancen attestiert er dem inzwischen von mehreren Herstellern angebotenen Konzept LNG (tiefgekühltes, verflüssigtes Erdgas), weil es die Reichweitenthematik entschärft. Aber auch Personenwagen und Leichttransporter verfügen heute über modernste Motorentechnik für Biotreibstoffe.

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Arthur Wellinger, Vize­präsident Biomasse Suisse, beleuchtete das Potenzial der Biotreibstoffe für den Klimaschutz. (Foto: Noemi Tirro)

technologie und netze sind da Andreas Kunz, Leiter Realisierung erneuerbare Energien energie360°, erklärte, dass die Herstellung von erneuerbarem Gas aus Wasserstoff (direkte Methanisierung von Biogas), die sogenannte Power-­to-Gas-Technologie (P2G), bereitstehe und pro kWh mit 2,5 Rappen «nur» 0,3 Rappen mehr als bei der Biogasaufbereitung koste. Für P2G spricht, dass es ins bereits bestehende Erdgasnetz eingespeist und sofort überall getankt werden kann. Das Gas­netz übernimmt also auch eine Energiespeicherfunktion.

Dass die Branche durchaus interessiert ist, zeigte Goerg Weinhofer, Leiter Fachstelle Logistik Coop, auf. Von den 900 LKW sind heute bereits 410 mit bis zu 100 Prozent Biodiesel unterwegs. Oder anders gesagt: 40 Prozent des von Coop-LKW verbrannten Treibstoffs ist Biodiesel, was den CO2-Ausstoss massiv reduziert.

Keiner wagte den Blick in die Kristallkugel, womit wir in zwanzig oder dreissig Jahren fahren und transportieren werden, und es wurde auch rege diskutiert, welche Rolle Subventionen spielen. Einig war man sich aber, dass künftig der beste Mix nötig sein und sich durchsetzen wird. Und dass dabei Biotreibstoffe, vor allem aus der Schweiz, eine grosse Rolle spielen werden.

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