Flachere Rampen sorgen für höheres Tempo
STRASSENINFRASTRUKTUR Ab dem 7. April gelangt die sogenannte Astra-Bridge zum zweiten Mal zum Einsatz, der Aufbau beginnt am Freitag Abend, 5. April. Seit der Erstverwendung 2022 wurde die Astra-Bridge wesentlich modifiziert, so dass nun problemlos mit 60 km/h über die verschiebbare Baustellenbrücke gefahren werden kann.

Beim heutigen Verkehrsaufkommen wird es immer schwieriger, den Unterhalt der Verkehrsinfrastruktur mit herkömmlichen Mitteln zu bewältigen. Das zeigt sich besonders während der starken Verkehrszunahme am Abend und am Morgen, was zur Folge hat, dass die Zeitfenster, die für Nachtarbeiten zur Verfügung stehen, immer kürzer werden. Aus diesem Grund ist das Bundesamt für Strassen (Astra) bestrebt, mit innovativen Lösungen den Verkehrsfluss zu verbessern und auch während Bau- und Unterhaltsarbeiten möglichst reibungslos sicherzustellen. Dabei kann durch Verkehrsmanagement und häufigere Nutzung des Pannenstreifens der allgemeine Verkehrsfluss zwar besser gewährleistet werden, doch für Unterhaltsarbeiten entfällt dadurch die benötigte Reservefläche zusehends.

Neue Rampen sicherer und angenehmer
Vor zwei Jahren hatte das Astra mit einer speziellen Baustellenbrücke europaweit erstmals für Furore gesorgt. Bei dieser Astra-Bridge gilt das Prinzip «Oben fahren, unten bauen». Dabei wird am Tag der Belag erneuert und nachts die Brücke jeweils um rund 100 Meter vorgerückt. Mit der Idee sollten gleich mehrere Problempunkte entschärft werden. Zum einen wird ein guter Verkehrsfluss sichergestellt. Zum anderen aber bringt es für die Bauarbeiten diverse Vorteile. Die räumliche Trennung von Verkehr und Bauarbeiten erhöht die Sicherheit der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer und zugleich die Sicherheit des Baupersonals. Da zudem die lärmigen Bauarbeiten wie Fräsen und Belagseinbau am Tag stattfinden, entfällt nächtlicher Baulärm. Dies entlastet die direkte Umgebung. Und schliesslich ist das Personal vor Strassenlärm und Witterung geschützt.

Beim Piloteinsatz 2022, der auf der A1 bei Solothurn (Fahrtrichtung Bern) durchgeführt wurde, bestätigten sich die meisten der erhofften Vorteile. Zum einen ereignete sich auf dem Bauabschnitt kein einziger Verkehrsunfall mit der Brücke. Zum anderen bestätigt Luzi Nägelin, Niederlassungsleiter der für die Belagsarbeiten zuständigen Tozzo AG, die hohe Umgebungsqualität für die Bauarbeiter: keine gefährliche Nähe zum rollenden Verkehr, weniger Lärm und vor allem reguläre Arbeitszeiten ohne Nachtarbeit. «Das machte es uns auch einfacher, Arbeitskräfte zu rekrutieren», so Nägelin.
Rampen nachgebessert
Beim Thema Verkehrsfluss verlief das Projekt damals nicht gemäss den Erwartungen. Die Rampen waren trotz sorgfältiger Projektierung verhältnismässig steil ausgefallen. Das veranlasste rein optisch zu starkem Abbremsen, führte aber auch tatsächlich bei den unterschiedlichsten Fahrzeugen beim Rauf- und Runterfahren zu Streifungen an der Front und am Heck. Deshalb hat man beim Astra nachgebessert. In intensivem Austausch mit externen Fachleuten und mit Strassenverkehrsverbänden wurde die Brücke optimiert. Die Neuerungen wurden auf dem Bereitstellungsplatz im Autobahnkreuz A1/A2 bei Rothrist vorgestellt. An der Grundstruktur mussten keine Anpassungen vorgenommen werden, aber die Rampen wurden beidseitig je um rund zehn Meter verlängert. Dadurch wurde die Rampe deutlich flacher und die Anfangssteigung konnte von bisher 6,1 Prozent auf 1,25 Prozent reduziert werden. Das verringert die beim Ersteinsatz aufgetretenen Schläge massiv. Erzielt wurde dies durch eine Modifizierung und Verlängerung des bisherigen Anfangskeils und durch den Einbau von drei zusätzlichen Elementen für den Übergang Strasse/Brücke. Die Astra-Bridge wächst dadurch auf 257 Meter Länge an und der flache Anfangskeil soll dafür sorgen, dass mit der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h nun von Anfang bis Ende darüber gefahren werden kann.

Die Tauglichkeit der Massnahmen hat das Astra mittels Fahrtests mit verschiedenen Fahrzeugen geprüft. Dabei hat sich gezeigt, dass die Brücke tatsächlich ohne Bedenken und ohne Einschränkungen mit Tempo 60 befahren werden kann, sei dies mit Anhängerzügen oder Sattelschleppern, mit Reisecars oder Wohnanhängern, mit Motorrädern oder mit tief liegenden Autos mit nur zehn Zentimetern Bodenfreiheit. Polizei und Sanität haben an den Tests auch teilgenommen und es steht fest, dass sie im Notfall mit ihren Fahrzeugen auch mit höheren Tempi drüber fahren können. Wir haben die Brücke anlässlich der Vorstellung ebenfalls selbst Befahren und können den Fortschritt vollumfänglich bestätigen. Diese Optimierungen haben zusätzliche Kosten von rund fünf Mio. Franken verursacht, sodass die gesamten Investitionen für das Brückenprojekts rund 25 Mio. Franken betragen.
Ab 7. April wieder im Einsatz
Nun steht die modifizierte Brücke erneut vor einem Einsatz. Auf dem gleichen A1-Abschnitt bei Solothurn wie 2022, jedoch in Fahrtrichtung Zürich, wird sie für den Einbau eines Flüsterbelags genutzt. Der Aufbau erfolgt am Wochenende vom 5. bis 7. April, voraussichtlich Mitte August sollen die Arbeiten beendet sein und die Brücke wieder abgebaut werden. Danach soll die Astra-Bridge auch an anderen Orten des Schweizer Autobahnnetzes für Bauarbeiten eingesetzt werden. Am Hauptaufbautag, dem Samstag, 6. April, wird der Verkehr ausnahmsweise zweispurig an der Brücke vorbeigeführt, um einen optimalen Verkehrsfluss zu ermöglichen. Dazu wird auch die Gegenfahrbahn etwas schmaler ausfallen, da der Mittelstreifen leicht verschoben werden muss, um den nötigen Platz für Astra-Brücke und zwei Fahrstreifen zu schaffen.
