Kvyreen 80: E-Truck Schnellladen trotz schwachem Stromnetz
WASSERSTOFF-FASTCHARGER Kvyreen 80 ist ein mobiler Fastcharger, der stromnetzunabhängig ist und den Ladestrom vor Ort mittels eigener Wasserstoff-Brennstoffzelle generiert. Der Kvyreen 80 bietet sich beispielsweise dort als Übergangslösung an, wo Versorgungsengpässe im lokalen Stromnetz eine Ladestation verunmöglichen.

Vor rund zwei Jahren hatte H2 Energy aus Zürich den Kvyreen-Prototypen (sprich: Quirin) vorgestellt, eine mobile E-Mobil-Schnellladestation mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Power. Zwischenzeitlich wurde die gleichnamige Aktiengesellschaft als 100-prozentige Tochtergesellschaft von H2 Energy gegründet und zudem ist das Projekt mit dem Kvyreen 80 serienreif geworden. Dazu hat Kvyreen auch den technischen Segen der Behörden (CE-Konformität) erhalten und beim TÜV Thüringen Schweiz eine zusätzliche Sicherheitsbeurteilung bestanden. «Dies ist ein bedeutender Meilenstein in unserer noch jungen Geschichte», sagt Corey Houle, CEO der Kvyreen AG.
Als Plattform aufgebaut
Der stromnetzunabhängige Fastcharger ist nur eine Idee, die man bei H2 Energy am Entwickeln ist, um neben dem Schweizerischen Wasserstoffkreislauf (HHM, Förderverein, Hydrospider) auch andere Wasserstoff-Anwendungen zu entwickeln und dadurch die Skalierung der ganzen H2-Infrastruktur voranzutreiben. Kvyreen ist denn auch als Plattform aufgebaut, welche künftige Nutzungen, beispielsweise in Baustellenfahrzeugen oder auf Schiffen, erleichtern soll. Doch vorerst wird Kvyreen als DC-Ladestation vermarktet werden. Es gibt sie als Kvyreen 80 (1 Brennstoffzelle) und 160 (2 Brennstoffzellen), selbstredend mit 80 respektive 160 kW Ladeleistung. Eine AC-Wechselstromlösung befindet sich in Vorbereitung, ebenso DC-Stationen mit 500 kW und mehr Ladeleistung.
Im Innern des heute viel kompakteren Kvyreen befindet sich eine moderne Brennstoffzelle (Toyota) und ein DC-DC-Schnelllademodul. Für die Speisung der Anlagensteuerung wird eine kleine Batterie benötigt, aber keinerlei externe Starkstromzuführung. Die 800-Volt-Ladespannung wird über einen CCS-Stecker (Type II) ans Fahrzeug übertragen. Der Wasserstoff, der einen Druck von lediglich 9 bis 16 bar aufweisen muss, kann beispielsweise aus der Infrastruktur einer H2-Tankstelle bezogen werden, über Tankcontainer und Pipelines von Hydrospider oder aus anderen H2-Quellen. Wird grüner Wasserstoff benutzt, ist die Stromproduktion komplett CO2-frei.
Für wen interessant?
Der Kvyreen ist als mobile Einheit mit integriertem Transportsystem ausgelegt und mit ihm kann jederzeit eine bedarfsgerechte Schnellladekapazität bereitgestellt werden. So besteht z. B. eine Einsatzmöglichkeit in der temporären und lokalen Ergänzung des Schnellladenetzes entlang der Nationalstrassen. Dabei würden während der Hauptreisezeiten im Sommer an den Zufahrten zu den wichtigsten Alpenübergängen zusätzliche Ladestationen temporär betrieben und die Bedarfsspitzen gezielt abgedeckt. In den Wintermonaten würden diese Stationen dann in den Skisportorten installiert und stehen dort für die Deckung des zusätzlichen Ladebedarfs während der kalten Jahreszeit zur Verfügung.
Kurzfristig sieht die Kvyreen AG in der Energiewende im Transportsektor besonders grosses Potenzial. Denn Transportunternehmen und Gemeinden, die auf Elektro-LKW umsteigen wollen, stehen oft vor dem Problem knapper Stromzuleitungen, was die Anschaffung von batterieelektrischen Lastwagen in der Anzahl limitiert oder deren Anschaffung gar verunmöglicht. Ein Beispiel dafür ist die Läderach Worb AG, die eigentlich drei elektrische Abfallsammler anschaffen wollte, sich wegen limitierter Stromzufuhr aber vorerst auf nur zwei Elektro-LKW beschränken muss. «Genau für solche Fälle wäre Kvyreen mit der stromnetzunabhängigen Versorgung eigentlich eine ideale Übergangslösung», meint Corey Houle.
