Studie: E-Treibstoffe immer zwei bis drei Mal teurer

DEKARBONISIERUNG Die eFuel Alliance, eine Interessengruppe für E-Treibstoffe aus erneuerbaren Energien in Europa und weltweit, hat ihren globalen Bericht über E-Treibstoffe vorgestellt. Die Studie prognostiziert eine positive Entwicklung im Luft- und Seeverkehr bis 2030.

Als E-Fuel (von englisch electrofuel) werden synthetische Treibstoffe bezeichnet, die mittels elektrischer Energie aus Wasser und Kohlenstoffdioxid (CO₂) hergestellt werden. Dieser Prozess wird als Power-to-Fuel bezeichnet. E-Treibstoffe können aber auch kohlenstofffrei sein, z. B. in Form von reinem Wasserstoff oder Ammoniak. (Bild: AdobeStock)

E-Treibstoffe werden für die Dekarbonisierung des Luft- und Seeverkehrs unverzichtbar sein, aber nur eine der sauberen Optionen für den Strassenverkehr bleiben, so das wichtigste Fazit des globalen Berichts über E-Treibstoffe wurde Mitte Oktober von SGS Inspire, dem Marktanalyse-Dienst von SGS, während eines Webinars der eFuel Alliance zu Treibstoffen und Verkehr vorgestellt.

Aida González Palomino, Chief Analyst bei SGS Inspire, und Dr. Tobias Block, Chief Strategy Officer der eFuel Alliance, haben die zukünftige Rolle von E-Treibstoffen im Verkehrssektor bis 2030 auf globaler Ebene diskutiert. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass europäische Länder in Bezug auf die Anzahl der angekündigten Pilot- und kommerziellen E-Treibstoff-Projekte derzeit führend sind (insgesamt 100 Projekte). Afrika und Nordamerika folgen mit insgesamt 150 angekündigten E-Treibstoff-Projekten weltweit (Stand Juli 2024). Die meisten Projekte beziehen sich auf E-Ammoniak, gefolgt von E-Methanol und E-Kerosin (E-SAF). Projekte zur Produktion von E-Methan, E-Benzin und E-Diesel sind relativ wenig vorhanden.

Da bei der Herstellung und Nutzung von E-Fuels mehrere verlustintensive Umwandlungsstufen durchlaufen werden müssen, ist die Energiebilanz beim Einsatz von E-Fuels grundsätzlich schlechter als bei anderen Antriebsarten – insbesondere im Vergleich zur Elektromobilität.

E-Treibstoffe hauptsächlich für Industrieländer

Laut Gonzalez Palomino hat der Inflation Reduction Act (IRA) in den USA ein attraktives Umfeld für verschiedene Initiativen im Bereich erneuerbare Energien geschaffen, insbesondere für solche, die sich auf grünen Wasserstoff, nachhaltiger Flugkraftstoff (SAF) und Technologien zur direkten Luftabscheidung (DAC) konzentrieren.
Basierend auf regionalen Entwicklungen des Treibstoffmarktes und E-Treibstoff-Preisen schätzt SGS Inspire, dass die Hauptnutzung von E-Treibstoffe im Jahr 2030 voraussichtlich in Europa, Japan und den USA, stattfinden wird, während Entwicklungsländer Schwierigkeiten haben werden, sich den Verbrauch von E-Treibstoffe leisten zu können. Die Forschung von SGS Inspire zeigt, dass die aktuellen Kosten für E-Treibstoffe vier bis fünf Mal höher sind als jene der herkömmlichen Treibstoffe.
Die eFuel Alliance schätzt, dass technologische Verbesserungen die Kosten für Elektrolyseure bis 2030 um 60 Prozent senken könnten, zusammen mit einer Reduktion der Produktionskosten erneuerbarer Energien um 25 Prozent.

«Trotz dieser Reduktionen werden E-Treibstoffe laut den Forschungen von SGS Inspire immer noch zwei bis drei Mal teurer sein als herkömmliche Treibstoffe. Dennoch sehen wir eine klare Rolle für E-Treibstoffe, um die Luftfahrt- und Schifffahrtssektoren zu dekarbonisieren», kommentierte Aida Gonzalez Palomino.

«Es stimmt, dass erneuerbare Brennstoffe zumindest in den nächsten Jahren teurer bleiben als fossile Brennstoffe. Um wettbewerbsfähig zu werden, sind Grössenvorteile dringend erforderlich. Eine solche Skalierung kann nicht erreicht werden, wenn man sich nur auf kleine Mengen stützt, die im Luft- und Schiffsverkehr verwendet werden. Rund 80 Prozent der Treibstoffproduktion entfallen auf den Strassenverkehr. Die Einbeziehung des Strassenverkehrs in die Regulierungspläne ist notwendig, um die Kosten schrittweise zu senken und die industrielle Produktion zu fördern. Dies wird langfristig Produktionskosten von etwa einem Euro pro Liter ermöglichen», argumentierte Dr. Tobias Block, Chief Strategy Officer bei der eFuel Alliance.

Die eFuel Alliance ist eine Interessengruppe, die sich für einen positiven politischen Rahmen für die Nutzung und Produktion von E-Treibstoffen aus erneuerbaren Energien in Europa und weltweit einsetzt.

SGS ist ein weltweit führendes Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsunternehmen mit 99 600 Mitarbeitenden und einem Netzwerk aus über 2600 Büros und Laboratorien.

SGS Inspire ist der weltweit grösste digitale Informationspool zu Treibstoffen, Verkehr, Motoren, Antriebsstrangemissionen sowie alternativen und neuen Treibstoffen und Fahrzeugen. Daten zur Treibstoffqualität aus der SGS Worldwide Fuel Survey werden mit Politik-, Regulierungs- und Marktanalysen kombiniert.

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