COVID-19 zwingt Hersteller zu Produktionsstopp
CORONAVIRUS-PANDEMIE Nach VW Nutzfahrzeuge stoppen nun auch Scania, Renault Trucks sowie MAN Truck & Bus in ihren Werken vorübergehend die Produktion. Weitere Hersteller dürften bald folgen.

Gestern gab Volkswagen Nutzfahrzeuge den Produktionsstopp seiner Transporterwerke in Hannover-Stöcken, Poznan und Wrzésnia bekannt. Noch im Laufe des Tages folgten Renault Trucks und Scania. Begründet werden die temporären Stilllegungen der Fabriken einerseits mit der Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter und deren Angehörigen, aber auch aufgrund Lieferschwierigkeiten von Komponenten und Bauteilen sowie dem Befolgen staatlicher Anordnungen. Die Coronavirus-Pandemie stellt die weltweiten Logistikketten vor grosse Herausforderungen.
Renault Trucks
Der französische LKW-Hersteller Renault Trucks kündigte die aussergewöhnliche Schliessung seiner vier Produktionsstandorte an. Dies, um seine Mitarbeiter zu schützen und um zu den von der französischen Regierung geforderten Massnahmen zur Begrenzung der Ausbreitung der COVID-19-Epidemie beizutragen Die Produktionsstandorte von Renault Trucks in Lyon, Bourg-en-Bresse, Blainville-sur-Orne und Limoges, die insgesamt 4500 Mitarbeiter beschäftigen, werden bis auf weiteres geschlossen, abhängig von der Entwicklung der Gesundheitssituation. Für Mitarbeiter von Vertriebs-, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen hat das Unternehmen ein Home-Office-Protokoll eingerichtet, um die Geschäftskontinuität zu gewährleisten. Da die Rolle der Transportunternehmen für die Versorgung von Gesundheitseinrichtungen und wichtigen Unternehmen von wesentlicher Bedeutung ist, werden die 24/7-Pannenhilfe und Reparaturwerkstätten weiterhin betrieben.
Scania
Der schwedische Hersteller plant die Produktion in den meisten seiner europäischen Produktionsstätten ab dem 25. März 2020 einzustellen. Dies aufgrund von Komponentenknappheit und den grossen Störungen in der Lieferanten- und Logistikkette, die durch die Verbreitung von COVID-19 in Europa entstanden sind. „Um die für die Gesellschaft lebenswichtigen Transporte unserer Kunden sicherzustellen, werden unsere Servicewerkstätten und Ersatzteilzentren ihren Betrieb weiterführen“, sagt Henrik Henriksson, Präsident und CEO von Scania.
Derzeit geht Scania davon aus, dass die Produktion innerhalb von zwei Wochen wieder aufgenommen wird. Von der geplanten Produktionsstilllegung direkt betroffen sind die Mitarbeiter von Scania in den Werken Schweden, den Niederlanden und Frankreich. Scania steht in engem Dialog mit den Gewerkschaftsvertretern, um die Situation gemeinsam anzugehen. „Sowohl die Unternehmensleitung als auch die Arbeitnehmervertreter schätzen die staatlichen Unterstützungsmassnahmen, die jetzt in den Ländern zur Verfügung gestellt werden, in denen unsere Mitarbeitenden nun vorübergehend keine Arbeit haben werden“, sagt Henriksson. Die Produktionsaktivitäten von Scania in Lateinamerika, die etwa ein Fünftel des Produktionsvolumens des Unternehmens ausmachen, werden wie geplant weitergeführt.
Update 13.30 Uhr (19.3.2020): MAN Truck & Bus
Wegen zunehmender Risiken durch die beschleunigte Corona-Entwicklung und des Abrisses der Lieferkette sieht sich auch MAN Truck & Bus gezwungen, seine Produktion am Standort München ab 19. März 2020 vorübergehend zu stoppen. Die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter stehe für MAN an erster Stelle, heisst es in der Mitteilung: „Durch die rasch zunehmende Ausbreitung des Corona-Virus nimmt die Gefährdung für jeden Einzelnen weiter zu. Die Unternehmensleitung von MAN sieht sich daher gezwungen, die Produktion am Standort München ab 19. März 2020 einzustellen. In den anderen Werken wird die Produktion individuell heruntergefahren. MAN bewertet die Lage ständig neu und reagiert entsprechend darauf. Aufgrund der Entwicklungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hatte MAN am 17. März 2020 Kurzarbeit für seine deutschen Standorte ab 23. März 2020 angekündigt und die Belegschaft über diese Massnahmen informiert.“
Auch in den nicht deutschen Werken werde die Produktion zurückgefahren. „MAN setzt alles daran, den Betrieb der Vertriebs- und Servicestandorte weltweit, so lange es die Gesamtsituation zulässt, in vollem Umfang aufrechtzuerhalten, um die Versorgungsketten sicherzustellen.“
