Krummen ist ­unterwegs zum ersten LNG-Einsatz

CO2-ZIELE Mit Blick auf die CO2-Zielsetzungen der EU erhal­ten Gas-Lastwagen eine noch grössere Bedeu­tung. Je nach Anwendung werden ent­weder CNG oder LNG favorisiert, Krummen Kerzers setzt für einen Lidl-Auftrag auf LNG mit neuen Volvo-­Last­wagen, andere Grossverteiler liebäugeln hingegen mit CNG. Aber beide reduzieren CO2 gegenüber Diesel um 15 Prozent.

Krummen Kerzers Volvo TIR transNews
Bis die erste LNG-Tankstelle Anfang Juni in ­Betrieb geht, muss Krummen Kerzers auf ­herkömmliche Diesel-LKW ausweichen.

Die meisten Lastwagenhersteller führen Fahrzeuge mit Gasantrieb im Angebot. Dank sukzessiver Weiterentwicklung bieten moderne Erdgasmotoren heute eine Leistungsfähigkeit, die sich mit Dieselmotoren problemlos messen kann. Deshalb steigt auch das Transportunternehmen Krummen Kerzers für einen zusätzlichen Transportauftrag für Lidl Schweiz auf Erdgas in Form des verflüssigten LNG ein. Dabei gibt die Erdgas-Technik von der Produkteseite heute keine Rätsel mehr auf, der Knackpunkt ist neben noch höheren Anschaffungskosten vor allem die fehlende Infrastruktur.

Während es hierzulande rund 150 CNG-Tankstellen gibt (90 davon LKW-tauglich), ist die Schweiz bezüglich LNG noch ein komplett weisser Fleck auf der Landkarte. Noch – denn ab Anfang Juni wird eine erste mobile LNG-Tankstelle auf dem Areal des Verteilzentrums von Lidl in Weinfelden in Betrieb genommen, ab Ende Juni eine zweite im Verteilzentrum in Sévaz bei Estavayer-le-Lac. Sie werden Krummen Kerzers als Basis für den Betrieb der zehn bestellten, neuen LNG-Trucks dienen. «Ohne Tankstelle kein LNG-­Last­wagen», bringt Geschäftsführer Peter Krummen den aktuellen Stand des Projekts auf den Punkt. Da der Transportauftrag für Lidl bereits seit Anfang März läuft, brauchte man bei Krummen eine Übergangslösung. Und so wurden Ende Februar über den noch jungen Rental-Service von Volvo Trucks zehn FH500 mit Dieselmotor in Betrieb genommen.

Die zehn «normalen» Sattelzugmaschinen bleiben auch nach dem Start der LNG-Trucks bei Krummen im Betrieb, damit man bei etwaigen Schwierigkeiten gleichwohl den Auftrag erfüllen kann. «Solche Schwierigkeiten sehe ich nicht bei den Lastwagen, denn die haben sich bewährt», meint Peter Krummen. Weniger sicher ist er hingegen bei der Tankstelle, wo er einfach noch keine Erfahrungswerte ins Feld führen kann. Falls sich LNG jedoch bewährt, will Krummen bei der bevorstehenden Ersatzbeschaffung von weiteren Lastwagen ebenfalls auf LNG umsteigen.

Krummen Kerzers Volvo TIR transNews
Peter Krummen ist von der Nachhaltigkeit von Erdgas überzeugt und wünscht sich auch von der Politik mehr Unterstützung.

Die Politik ist gefordert
Mit Blick auf die ersten CO2-Zielvorgaben der EU für schwere Nutzfahrzeuge (Seite 37) sagt Peter Krummen dem LNG eine zunehmende Bedeutung voraus. Dabei solle man darauf achten, mit Bioerdgas zu agieren, das die CO2-Bilanz praktisch neutral ausfallen lässt. «Doch der Zollrabatt auf Biotreibstoffe läuft Gefahr, Mitte 2020 auszulaufen, da die Fortsetzung als Teil des Energiegesetzes jetzt auch auf Eis gelegt ist.» Es wäre wichtig, dass die Transport- und die Energiebranche sich für die durchgehende Fortsetzung bis 2030 stark machen würde.

Bei Krummen Kerzers und Lidl ist der Startschuss auf jeden Fall gefallen, und auch andere Grossverteiler, wie die Migros oder Coop, überlegen sich sehr konkret ein verstärktes Erdgas-Engagement. Und es wäre zu hoffen, dass sich Bundesbern trotz starkem «Elektro-Fieber» nicht vor kurzfristig realisierbaren, nachhaltigen Lösungen à la Erdgas verschliesst.

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