Der Busworld-Umzug nach Brüssel hat sich gelohnt
BUSWORLD BRÜSSEL Nach der letzten Busworld in Kortrijk war die Skepsis zum Umzug nach Brüssel gross. Wie reagieren die Aussteller? Bleibt der familiäre Charakter der Messe bestehen? Im Vorfeld Fragen über Fragen, doch jetzt ist klar: Aussteller, Besucher, Presse und Organisationsteams sind sich darin einig, dass Brüssel ein Erfolg war. Die Busworld war grösser und besser als je zuvor.

Es gab viel zu sehen in Brüssel. Da nicht alle Neuheiten aus Platzgründen in die Dezember-Ausgabe passen, konzentrieren wir uns in dieser Ausgabe auf die Reisebusse. In einem späteren Artikel befassen wir uns mit den Linienbussen, die sich immer mehr zu einer Elektrosparte entwickeln. Das passt auch ausgezeichnet in den Januar-Schwerpunkt «Alternative Antriebe».
Standort Brüssel begeistert
Alle Zahlen stiegen: mehr Fläche (von 50’000 m² auf 79’000 m²), mehr Aussteller (von 376 auf 511, davon 176 Neueinsteiger) und mehr Besucher (von 37’274 auf 39’798). Das allgemeine Feedback war sehr positiv. Die 511 Aussteller kamen aus 37 Ländern. Die Besucher kamen aus 143 Ländern, was einen signifikanten Unterschied zu 118 Ländern im Jahr 2017 darstellt. Busworld hat seine alle zwei Jahre stattfindende internationale Verkaufs- und Netzwerkplattform für alle Fachleute der Busbranche auf der ganzen Welt klar bestätigt und sogar verstärkt.
Nicht nur die grössere Ausstellungsfläche, sondern auch die bessere Infrastruktur mit vielen Hotels und die Erreichbarkeit dank internationaler Bahnverbindungen und des Flughafens Brüssel dürfte zu diesem Erfolg beigetragen haben.
Diesel noch nicht in Frage gestellt
Der Reisebus ist vom kurzen Transfer bis zur Langstrecke flexibel einsetzbar. Da kommen die Hersteller und Busbetreiber (noch) nicht um den Dieselmotor herum. Bei der Hysterie rund um den Dieselmotor und seinen Emissionen unterscheidet die Politik leider nicht zwischen PW oder Reisebus. Bekannt ist, dass der Reisebus eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel darstellt und dennoch verweigern ihm immer mehr Städte die Zufahrt in die Zentren. Wir haben das Thema Hybrid oder Brennstoffzelle bei verschiedenen Herstellern angesprochen. Dass die Branche auf Druck der Politik reagieren muss, ist allen klar. Sicher ist auch, dass alle an technischen Lösungen arbeiten. Nur, kein Hersteller äussert sich konkret darüber, was in Zukunft auf dem Markt sein wird.
Die Reisebus-Highlights aus Brüssel
MAN/Neoplan stellte seinen Lion’s Coach in den Vordergrund. An der Busworld durften die MAN-Verantwortlichen für dieses Fahrzeug von der internationalen Jury Bus+Coach of the Year die Auszeichnung «Coach of the Year 2020» in Empfang nehmen.
Bei Mercedes-Benz und Setra waren die bekannten Exponate anzutreffen. Als Weltpremiere wurde der neue Mercedes-Benz Sprinter Travel 75 präsentiert. Dank der neuen Hochlastachse kommt der «Kleine» mit einer Fahrgastkapazität von 21+1 Sitzplätzen daher.
Der neue «Kleine» prägte den Stand bei Iveco. Der Daily Tours mit dem serienmässigen Hi-Matic 8-Gang-Automatikgetriebe ist der Reise-Minibus für komfortables und stilvolles Reisen. Zur Ausstattung des in drei Längen erhältlichen Fahrzeugs gehören unter anderem Luftfederung an der Hinterachse, Klimaanlage, Multimediasystem, USB-Buchsen an jedem Doppelsitz und das LDWS-System, das den Fahrer beim ungewolltem Fahrspurwechsel und somit bei ersten potenziellen Ermüdungsanzeichen und Ablenkung warnt.
Lantal, Langenthal, präsentierte neue Designs, die das Essentials-Stock-Lagersortiment ideal mit Plüsch- und Flachgewebeartikeln ergänzen. Das Designteam verfolgt und analysiert laufend die Megatrends mit Einfluss auf den Personentransport, informiert sich an Messen über gestalterische Tendenzen und analysiert den Busmarkt. Die Kollektionsartikel sind so konzipiert, dass sie in Kombination mit verschiedenen Materialien zu einem ganzheitlichen, harmonisch wirkenden Innenraum zusammengefügt werden können und so ein stimmiges Fahrerlebnis erzeugen.
Bei Van Hool wurde der EX11 als viertes Modell aus der EX-Produktserie (neben dem EX15, dem EX16 und dem EX17) zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit diesem Modell gehen die Belgier auf die zunehmende Nachfrage des Markts nach gut ausgestatteten und komfortablen Fahrzeugen in der 11-Meter-Klasse ein. Wie alle Modelle ist der EX11 mit einem leistungsstarken DAF-Motor der neuesten NG-Generation ausgestattet, in Kombination mit einem umfassenden Angebot an manuellen, automatisierten und Automatikgetrieben.
Die neuen Modelle 9700 und 9900 standen bei Volvo Bus im Vordergrund. Neu im Programm steht beim Modell 9700 eine 15-Meter-Variante. Damit ist der Bus in den Längen 12, 13, 14 und 15 Metern erhältlich.
Das weitererentwickelte EcoLife-Getriebe stand bei ZF im Vordergrund. Bis zu 2300 Nm Drehmoment und 6 Gänge sorgen dank längerer Achsübersetzungen für hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten mit niedrigen Motordrehzahlen. Der Motor kann immer sein volles Moment bringen, ohne Aus- und Einkuppeln, ohne Geschwindigkeitsverlust beim Gangwechsel. Trotz zügiger Beschleunigung auch in Steigungen sind Schaltungen für die Reisenden nicht spürbar. Einen wesentlichen Beitrag leistet das serienmässig integrierte Fahrprogramm TopoDyn Life, das topografie- und fahrwiderstandsabhängig die jeweils verbrauchsoptimale Schaltstrategie aktiviert. Die Bremskraft wird automatisch angepasst. Kraftstoffverbrauch und Geräuschentwicklung bleiben auf niedrigem Niveau. Der Primärretarder ist nicht von der Abtriebsdrehzahl abhängig, deshalb liefert er maximale Verzögerung fast bis zum Stillstand. Dank des serienmässig eingebauten Torsionsdämpfers können die Schaltdrehzahlen gesenkt werden, sodass der Motor in niedrigen Drehzahlen laufen kann. Langsames Rangieren ohne Kupplungsverschleiss wird möglich.

Alternatives für die Zukunft Das sind kurz zusammengefasst die Neuheiten der «Abteilung Reisebus». Die grossen Neuheiten waren vielfach vor der Busworld bekannt. Gespannt darf man auf die Antwort der Branche auf die sich verbreitenden Dieselfahrverbote sein. Da sind die grossen Veränderungen zu erwarten.
Etwas spannender wird es bei den Intercity- und Stadtbussen. Da kann sich kein Hersteller mehr erlauben, kein Elektrofahrzeug auf dem Stand zu präsentieren. Nun sind ja bekanntlich auch die «grossen zwei» aus unserem nördlichen Nachbarland mit ihren Elektrobussen im Wettbewerb präsent.