«Die AHW bringt Sie nach wie vor sicher ans Ziel»

GRUNDVERSORGUNG Als Geschäftsführer der AHW Busbetriebe AG sorgt Peter Freudiger täglich dafür, dass die Menschen am linken Zürichseeufer ein verlässliches öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung haben. Ein Interview zur Zeit des Lockdowns.

Peter Freudiger Geschäftsführer AHW Busbetriebe AG TIR transNews
Peter Freudiger, Geschäftsführer der AHW Busbetriebe AG: «Das gesamte Team der AHW freut sich auf die Wiederaufnahme des gesamten Betriebs.»

TIR: Wann und wie wurde das Coronavirus resp. die Pandemie erstmals für die AHW zum Thema?

Peter Freudiger: Wir fingen bereits im Februar an, die Situa­tion zu beobachten, und tauschten uns frühzeitig mit dem ZVB-Pandemiestab, der SZU und den VBZ aus. Im Zentrum stand für uns der Schutz unserer Mitarbeitenden. Mit ihnen haben wir über ihre Ferien- und Reisepläne gesprochen und von Reisen in Risikoregionen (Italien) abgeraten. Dabei sind wir auf grosses Verständnis seitens der Mitarbeitenden gestossen, sodass diese rechtzeitig darauf verzichteten.

Welchen Einfluss hat die Entwicklung auf die AHW?

Primär geht es uns darum, die Mitarbeitenden und die Kunden zu schützen. Trotz Fahrplanausdünnung war das Ziel, auch bei einer Ausbreitung der Pandemie weiterhin ein geordnetes Grundangebot im öV anbieten zu können. Zudem wurden die Fahrzeugreinigung und das Desinfizieren der Haltestangen und Knöpfe intensiviert. Dies alles bedingt einen hohen Organisationsaufwand und viel interne Kommunikation.

Wann haben Sie welche Massnahmen ergriffen?

Anfang März haben wir die Ferienregelungen bezüglich Reisen in Risikogebiete erlassen und die BAG-Informa­tionsplakate verteilt und ausgehängt. Gleichzeitig haben wir Händedesinfektionsmittel verteilt, die ersten Sitzreihen und den Fronteinstieg abgesperrt sowie den Ticketverkauf eingestellt.

Seit Mitte März stehen Mitarbeitende aus der Risikogruppe vorübergehend nicht im Einsatz. Zudem werden seither über Nacht an allen Fahrzeugen die Haltestangen und Knöpfe desinfiziert. Laufend geben wir die Informationen und Regelungen zum Einhalten der BAG-Vorgaben weiter (Social Distancing usw.). Per Ende März wurde der Fahrplan gemäss Vorgaben ZVV reduziert. Für die AHW haben wir Kurzarbeit angemeldet.

Wer bestimmte, wann welche Massnahmen umgesetzt werden?

Die Reduktion des Fahrplans erfolgte schweizweit harmonisiert. Sämtliche Massnahmen erfolgen immer in Absprache mit den Partnern der öV-Branche.

Welchen Einfluss hat die Krise auf Ihren Fahrplan?

Der Fahrplan wurde aufgrund der Vorgaben des Systemführers Postauto AG angepasst. Die Fahrplanreduktion wurde so gewählt (ZVV, SZU), dass das Social Distancing eingehalten werden kann. Um das Social Distancing zu gewährleisten, setzt die AHW weiterhin grosse Fahrzeuge ein. (Anmerkung d. Red.: Die AHW fährt seit dem 4. Mai 2020 wieder ihr komplettes Angebot, mit Ausnahme der Kurse, welche die Oberstufenschulen betreffen. Diese fallen weiterhin bis zum 8. Juni 2020 aus.)

Und auf die Passagierfrequenz?

Dies kann ich zum heutigen Zeitpunkt nicht genau beziffern, das Fahrpersonal nahm aber eine deutliche Abnahme der Frequenzen auf dem Liniennetz wahr. Seit Wiederaufnahme des Normalfahrplans sind die Frequenzen wieder leicht am Steigen.

Welchen wirtschaftlichen Einfluss haben weniger ­Passagiere auf das Unternehmen?

Wir erbringen unsere Dienstleistung im Auftrag von SZU und VBZ. Diese Frage müsste daher an sie gehen.

Welchen Einfluss hat die Situation auf die Arbeits­planung Ihrer Fahrer?

Einige Mitarbeitende, die zur Risikogruppe gehören, werden nicht mehr eingesetzt. Alle anderen Fahrer können reduziert eingesetzt werden.

Was, wenn ein Fahrer sich weigert?

Diese Situation hatten wir nicht. Bei Personalfragen suchen wir grundsätzlich immer zuerst das Gespräch mit dem Fahrpersonal.

Wie erleben Sie die Stimmung unter den Fahrern und anderen Mitarbeitern?

Die Stimmung bei den Mitarbeitenden ist gut. Jedoch verstehe ich alle, wenn sie einige Sorgen mit sich tragen. Wie geht es weiter? Wie lernen meine Kinder, ohne in die Schule zu gehen? Viele Fragen stehen an und wir versuchen, unsere Mitarbeitenden in jeder Hinsicht zu unterstützen.

Wie schützen und motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?

Wir weisen sie an, weiterhin die BAG-Richtlinien auch in der Freizeit zu befolgen. Das Händedesinfektionsmittel kann immer bei der AHW aufgefüllt werden. Und wir machen Dankesaktionen (Freitagsaktionen) für die Mitarbeitenden (mit Kaffee, «Spitzbuebe» usw.).

Werden weiterhin Billettkontrollen durchgeführt? Falls ja, mit welchen Unterschieden?

Es besteht für alle Kunden weiterhin Billettpflicht. Kunden werden darauf hingewiesen, dass sie die Tickets online oder an den Automaten lösen können.

Könnte es als Folge künftig noch schwieriger werden, Fahrer zu rekrutieren, also den Fachkräftemangel verschärfen?

Ich gehe nicht davon aus, dass die Situation einen Einfluss auf die Rekrutierung haben wird, denn der Fachkräftemangel bestand ja schon zuvor.

Trotz all der Sorge – wie wichtig ist das Gefühl oder ­Bewusstsein für Sie, einen wichtigen Teil der Grund­versorgung sicherzustellen?

Das ist sehr wichtig und wir geben dies den Mitarbeitenden weiter, was sie ebenfalls motiviert: Jeder einzelne von uns trägt zur Grundversorgung bei.

Wie empfinden Sie die Wertschätzung von Politik und Gesellschaft – und Ihren Kunden?

Viele Kunden schätzen die Arbeit der Fahrdienstmitarbeitenden sehr und sind froh, pünktlich und sicher mit der AHW ans Ziel zu kommen.

Linkes Zürich­seeufer AHW Busbetriebe AG TIR transNews
Gehören zum Ortsbild des linken Zürich­seeufers: die roten Zimmerbergbusse.

Die AHW Busbetriebe AG, seit 2012 eine hundertprozentige Tochterfirma der ­Zugerland Verkehrsbetriebe AG (ZVB), bedient im Auftrag der Sihltal-Zürich-­Uetliberg-Bahn (SZU) und der Verkehrs­betriebe Zürich (VBZ) die Region Zimmerberg (linkes Zürichseeufer). Ihre Flotte besteht aus insgesamt 35 Midi-, Standard- und Gelenkbussen, davon erfüllen 8 die Abgasstufe Euro 5 und 27 Euro 6. Die neusten Fahrzeuge fahren mit Mildhybrid-Unterstützung. Jährlich legen die Busse auf 25 Linien 2,1 Millionen Kilometer zurück und befördern ­dabei 8,5 Millionen Fahrgäste. Zimmerbergbus gehört zu den pünktlichsten Buslinien der Schweiz. Momentan sind 87 Mitarbeitende beschäftigt.

Anmerkung der Online-Redaktion: Das Interview fand Anfang Mai statt, kurz bevor die ersten Lockerungen für den öffentlichen Verkehr in Kraft traten.

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