Neue Futura-Generation in den Startlöchern
VDL BUS & COACH Mit der nächsten Futura-Generation mit neuem Antriebsstrang setzt VDL seinen Weg zu ökonomischerem Treibstoffverbrauch und niedrigeren Wartungskosten fort.

Die Futura werden mit dem MX-11-Motor von DAF ausgestattet, der in mehreren Leistungsstufen zur Verfügung steht. Die neue MX-Familie, in der Kombination mit ZF-Getrieben, ist leiser und sparsamer und leistet dadurch einen positiven Beitrag zur Total Cost of Ownership (TCO). Standardmässig wird der Motor mit dem automatisierten ZF Traxon-Getriebe kombiniert, und als Option ist das vollautomatische ZF Ecolife-Getriebe erhältlich. Der Futura-Doppelstock ist serienmässig mit dem MX-13-Motor in Kombination mit dem Traxon-Getriebe ausgeführt.
Die neue Antriebsstranggeneration wirkt sich auch positiv auf die Reparatur- und Wartungskosten aus. So verlängern sich beispielsweise die Wartungsintervalle des MX-11 und MX-13 auf 100’000 km. Insbesondere bei hohen Jahreskilometerleistungen ist ein Ölwechselintervall von 200’000 km möglich. Der Motorraum ist effizienter eingerichtet und dadurch besser zugänglich. Servicearbeiten können so leichter und schneller ausgeführt werden.
Erneuerter DAF Motorenentwurf
Grösste Anstrengungen wurden unternommen, um aus jedem Tropfen Treibstoff ein Maximum an Energie zu gewinnen. Die innermotorische Reibung wurde durch den Einsatz neuer Techniken herabgesetzt. Der Entwurf von Motorblock, Kühlung, Lufteinlass, Lagern und Kolben wurde komplett überarbeitet und das Verdichtungsverhältnis erhöht. Ein neuer Turbolader sorgt für mehr Drehmoment. Die vom Motor angetriebenen Komponenten wie Öl-, Kühlflüssigkeits- und Servolenkpumpe werden nur zugeschaltet, wenn die Situation es erfordert. So wird Treibstoff gespart, und der Verschleiss ist geringer.
Mit der Einführung der neuen MX-Motoren wurde der Verbrennungsvorgang genauestens unter die Lupe genommen – mit dem Ergebnis, dass das maximale Drehmoment schon bei 900 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Je nach Leistungsvariante verfügen die MX-Motoren über 50 bis 300 Nm zusätzliches Drehmoment. Die zwölf Gänge des ZF Traxon-Getriebes zusammen mit der neuen Hinterachsübersetzung von 1:2,71 ergeben eine Drehzahlreduzierung von 100 Umdrehungen bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h. Diese Massnahmen haben mit dazu beigetragen, dass der Verbrauch laut VDL um drei Prozent gesunken ist.
Für jeden Einsatz gibt es einen optimalen Antriebsstrang. Serienmässig wird der zweiachsige VDL Futura mit dem DAF-Motor MX-11 mit 370 PS und 1900 Nm ausgestattet. Gegenüber der vorherigen Generation sind das 300 Nm mehr, sodass auch unter schweren Bedingungen ausreichend Reserve vorhanden ist. Als Option für den Zweiachser und serienmässig für den Dreiachser ist der MX-11 mit 410 PS und 2100 Nm vorgesehen. Auch bei dieser Variante steht das maximale Drehmoment schon ab 900 bis 1100 U/min zur Verfügung. Dies trägt zu einer elastischen Fahrcharakteristik bei. Als Option ist das Hochdecker-Programm auch mit dem MX-11 mit 450 PS und 2300 Nm lieferbar. Diese Ausführung ist insbesondere für Einsätze geeignet, die viel Leistung erfordern, wie z.B. Fahrten im Gebirge. Der Futura-Doppelstöcker FDD2 wird serienmässig mit dem MX-13 mit 530 PS und 2600 Nm ausgestattet. Neu ist, dass der Doppelstöcker jetzt auch mit MX-11 mit 450 PS in Kombination mit dem vollautomatischen ZF Ecolife-Getriebe lieferbar ist und damit über die richtigen Eigenschaften für den Linieneinsatz oder den intensiven Stop-and-go-Verkehr verfügt.
Serienmässig mit ZF Traxon unterwegs
Das bekannte ZF-Getriebe AS Tronic findet im ZF Traxon einen würdigen Nachfolger. Dieses neue automatisierte Getriebe trägt zur Senkung des Treibstoffverbrauchs bei, verfügt über mehr Funktionen und ist noch breiter einsetzbar. Traxon wurde für höhere Drehmomente entwickelt, wie sie für moderne Motoren wie DAF MX-11 und MX-13 typisch sind. ZF und VDL haben Traxon in den letzten beiden Jahren ausgiebig getestet und für ein optimales Schaltverhalten angepasst.
Das Getriebe erzielt ein hohes Leistungsniveau, was unter anderem in einer Verkürzung der Schaltzeiten zum Ausdruck kommt. Ein wichtiger Vorteil dabei ist die Minimierung des Zugkraftverlustes zum Zeitpunkt des Schaltens. Sensoren erfassen exakt die Geschwindigkeit und sorgen für einen geschmeidigen Schaltvorgang. Dies erhöht den Komfort und sichert eine optimale Beschleunigung. Traxon verfügt über das Assistenzsystem «Hill Start», das Unterstützung beim Anfahren am Berg bietet. Anhand des Gefälles und des Fahrzeuggewichts wird die Zugkraft berechnet, die benötigt wird, um schnell und komfortabel anzufahren. Auch bei Präzisionsarbeiten wie dem Parken stellt das Getriebe mit dem Rangiermodus seinen Bedienungskomfort unter Beweis.
Das vollautomatische 6-Gang-Getriebe ZF Ecolife eignet sich hervorragend für niedrige Durchschnittsgeschwindigkeiten mit häufigem Schalten, wie z.B. im Stop-and-go-Verkehr. Die Ecolife-Palette wurde um Varianten erweitert, die auf höhere Eingangsdrehmomente bis maximal 2300 Nm ausgelegt sind. Alle VDL-Futura-Einzeldecker sind jetzt optional mit Ecolife erhältlich. Und auch der Futura-Doppelstock ist jetzt mit Ecolife zusammen mit dem MX-11 mit 450 PS und 2300 Nm ausführbar.
Predictive Powertrain Control
Insbesondere in hügeliger Landschaft kann Predictive Powertrain Control (PPC) die Synergie aller Antriebsstrangkomponenten verstärken. Indem es GPS und topografische Informationen verknüpft, schaut PPC nach vorn und passt das Schaltverhalten an. Dies senkt den Treibstoffverbrauch. Die eingestellte Mindestgeschwindigkeit wird während der Bergauffahrt beibehalten. Kurz bevor der höchste Punkt erreicht ist, wird Gas zurückgenommen und das Getriebe in die Neutralstellung geschaltet. Die kinetische Energie sorgt dafür, dass der Futura seine Geschwindigkeit beibehält und über den höchsten Punkt rollt. Beim Bergabfahren aktiviert PPC den Eco-Roll-Modus, während das Getriebe in der Neutralstellung bleibt. Dadurch können laut VDL zusätzlich 2,5 Prozent Treibstoff gespart werden.
Maximale Bremskraft und weniger Gewicht
Der neue Antriebsstrang erzielt durch die Kombination von ZF Intarder und DAF Engine Brake (DEB) eine kräftige Bremsleistung. So kann die Geschwindigkeit reduziert werden, ohne die Betriebsbremse zu nutzen – ein positiver Beitrag zur Senkung der Wartungskosten. Die DEB ist mit der neuen Motorengeneration noch kräftiger geworden. Ausserdem trägt sie durch das beschleunigte Abregeln der Motordrehzahl dazu bei, dass sich das Traxon-Getriebe schneller schalten lässt.
Mit gezielten Massnahmen im Layout des Motorraums ist es gelungen, 100 kg Gewicht zu sparen. Das Abgasnachbehandlungssystem, das ca. 50 kg leichter geworden ist und 40 Prozent weniger Volumen benötigt, ist daran massgeblich beteiligt. Beim Futura FDD2 hat das kompaktere System die Zugänglichkeit des Gepäckraums verbessert. Auch das Traxon-Getriebe bringt 20 kg weniger auf die Waage als sein Vorgänger. Die gesamte Gewichtseinsparung wurde hinter der Hinterachse realisiert. Das Ergebnis ist eine effizientere Gewichtsverteilung, ein besseres Fahrverhalten und eine höhere Fahrgastkapazität.
Auch in der Anordnung der einzelnen Komponenten hat es Änderungen gegeben. So wurde unter anderem der Kühler an die linke Seite versetzt. Ziel des neuen Layouts war es, die Zugänglichkeit des Motorraums zu optimieren, damit Wartungs- und Reparaturarbeiten effizienter ausgeführt werden können.
Erster Eindruck mit dem HD
Für ein paar wenige Kilometer stand uns die neue Generation der Hochdecker in Maastricht (NL) zum Sammeln erster Eindrücke zur Verfügung. «Die Teststrecke führt uns auch über den Cauberg», wurde uns bei der Präsentation der Teststrecke erklärt. Dies mit einem Lächeln im Gesicht, wohl wissend, dass diese Erhebung das Fahrzeug nicht wirklich in Nöte bringen kann. Bei der etwa 800 Meter langen Steigung überwindet man eine Höhendifferenz von gut 60 Metern.
Der erste Eindruck vom Fahrzeug: Ein ganz normaler Futura ohne auffällige Veränderungen. Die Neuerungen liegen wie meistens im Verborgenen. Der ganze Antriebsstrang hinterlässt von Anfang an einen positiven Eindruck. Raus aus Maastricht mit den etlichen Lichtsignalen und Kreiseln zeigt sich das neue Traxon von seiner positiven Seite. Die schnellen, sanft ausgeführten Schaltmanöver mit sehr kurzen Zugunterbrüchen gefallen. Nun zur «Bergstrecke»: Während der ca. fünfminütigen Bergfahrt haben wir Tempomaten und PPC eingeschaltet. Der «Hügel» wird ohne manuelle Eingriffe problemlos in niedriger Tourenzahl bewältigt. Kurz vor Erreichen der Berghöhe und der anschliessenden Talfahrt schaltet PPC den Antrieb in Leerlaufstellung. Fazit: Auf den ersten Testkilometern gefällt der VDL Futura mit seinem neuen Antriebsstrang. Das neue DAF-Triebwerk wurde auf dieser Strecke nicht gefordert. Übrigens: Schade war, dass der Doppelstock nicht zur Testfahrt freigegeben wurde. Gespannt sind wir auf die erste Möglichkeit, den HD sowie den Doppelstock in unserer gewohnten Umgebung auszuführen. Die Anforderung an Motor und Getriebe wird dann etwas höher ausfallen. Wir sind aber überzeugt, dass die Technik im Heckbereich auch über die Schweizer Alpen keine Schwächen erkennen lässt.