Neue V-Klasse: mehr Luxus, weniger Verbrauch
PREMIUM-SHUTTLE Die dritte Generation der seit 1996 gebauten V-Klasse wurde jetzt aufgewertet. Optisch bleibt die Überarbeitung zurückhaltend, doch hat Mercedes den Wagen unter dem Blech substanziell in die Mangel genommen. Ohrenfällig ist die starke Geräuschreduktion im Innern.

Vito und V-Klasse sind die Waren- und Personentransport-Zwillinge bei Mercedes-Benz Vans. Das aktuelle Modell rollt seit 2014 vom Band, sodass es jetzt bereit für die Überarbeitung war. Anfang März haben wir die Veränderungen erstmals präsentiert, bei der kürzlich erfolgten Probefahrt konnten wir den angestrebten Fortschritt beim achtsitzigen Van unter die Lupe nehmen. Optisch erkennt man die neue V-Klasse eigentlich nur am markanten unteren Lufteinlass des vorderen Stossfängers, welcher nun durchgehend geführt ist und die erwünschte stärkere Breitenwirkung erzielt. Wählt man jedoch als Option die AMG Line, wird die Frontschürze von AMG eingesetzt, welche wie bisher die Kühleröffnung in drei Segmente unterteilt und den «Neuen» kaum mehr erkennen lässt.
Neue Motorenfamilie
Daher richtet sich unser Blick unters Blech. Hier gelangt die bereits aus PW-Modellen bekannte neue Motorenfamilie OM 654 zum Einsatz und löst den bisherigen OM 651 ab. Mit Bohrung × Hub von 82 × 92,3 mm hat der neue Motor einen Hubraum von 1950 cm³, während der Vorgänger noch mit 83 × 99 mm auf 2143 cm³ kam. Der Neue kommt in drei Leistungsstufen, und zwar als V 220d mit 162 PS, als V 250d mit 190 PS und als V 300d mit 239 PS (vgl. Tabelle). Die Topmotorisierung mit 239 PS ist nicht nur für Mercedes, sondern fürs ganze Minivan-Segment eine neue Leistungsspitze.
Von der Konstruktion her interessant sind beim Motor die Kombination aus Aluminiumgehäuse und Stahlkolben sowie eine spezielle Form der Verbrennungstaschen im Kolben (Stufenmulden-Brennverfahren) und eine reibungsmindernde Zylinderbeschichtung. Der Motor ist um 17 Prozent leichter geworden, was auch mit den von 94 auf 90 mm verringerten Zylinderabständen zusammenhängt. Neue Luftführungen ansaug- und abgasseitig, die neuste Common-Rail-Einspritzung (Gen. 4) mit 2500 bar Einspritzdruck und die bereits angetönte Reibungsminderung (–25%) sind substanzielle Ursachen für die Verbrauchsreduktion, die beim V 250d gemäss Mercedes zum bisherigen V 250d rund 13 Prozent beträgt.
Ein weiterer Grund für die Verbrauchsreduktion ist in den neuen Getrieben zu suchen. Statt der bisherigen 7-Gang-Automaten wird neu die Schaltbox 9G-Tronic verwendet, die mit neun Schaltstufen eine grössere Spreizung ermöglicht. Lediglich der V 220d ist auch mit Handschaltung erhältlich, ansonsten ist das 9G-Tronic Standard. Alle drei Motorvarianten können statt des Hinterradantriebs auch mit 4Matic-Allradantrieb geordert werden, was in der Schweiz die Mehrheit der Käufe betragen wird.
Aller guten Dinge …
Wie bisher, stehen drei Karosserievarianten zur Wahl. Der «Kompakte» ist 4,90 m lang, der «Lange» misst 5,24 m und der «Extralange» misst 5,37 m. Lediglich beim Extralangen wird der Radstand von 3,20 m auf 3,43 m gestreckt. Positiv: Sämtliche Versionen der V-Klasse bleiben unter zwei Metern Fahrzeughöhe, sodass dem Wagen jede reguläre Tiefgarage offensteht.
Auf einer ersten Testrunde erlebten wir eine V-Klasse, die sehr viel leiser geworden ist, was uns zur Nachfrage bei den Entwicklern motivierte. Dabei bestätigten die Ingenieure die Wichtigkeit des neuen Antriebsstrangs, der dank grösserer Getriebespreizung und geänderter Drehmomentverläufe längere niedertourige Phasen zulässt. Auch wurden im Fahrzeug zusätzliche Isolationen eingebaut und vor allem wurden Fahrwerk und Antriebsstrang mittels verbesserter Lagerblöcke effizienter von der Karosserie und damit vom Fahrgastraum entkoppelt. Wenig Unterschied gespürt haben wir in Sachen Ansprechverhalten und Fahrkomfort zwischen dem V 250d und dem Topmodell V 300d, wobei die 239-PS-Version im Spurt natürlich nicht zu schlagen ist.
Sicherer, bequemer
Für den Einsatz als Hotelshuttle ist jetzt auch in Europa eine First-Class-Bestuhlung im Fond erhältlich, die bereits in China angeboten wurde und aus komfortablen Einzelsitzen besteht. Das Cockpit wurde zwar etwas aufgehübscht, die neuen Instrumente à la MBUX oder Bildschirm-Cockpit haben den Weg nicht in die V-Klasse gefunden. Ansonsten hat Mercedes weitere Assistenzsysteme eingeführt und erhöht mit dem neuen Aktivbremsassistenten und dem erweiterten Fernlichtassistenten die Zahl der Sicherheits- und Assistenzsysteme in der V-Klasse auf dreizehn. Somit erkennt der Wagen, wenn sich Kollisionsgefahr mit einem vorausfahrenden Wagen anbahnt. Je nach Reaktion des Fahrers auf die Warnung des Systems wird die Bremsung oder das Ausweichmanöver subtil, aber effizient unterstützt. Der erweiterte Fernlichtassistent wiederum ist ein Matrix-LED-Licht, das dauernd aufblendet, aber mittels einer Lichtaussparung entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge «entblendet».
Die Preise ohne Mehrwertssteuer beginnen beim V 220d bei 52’600 Franken, beim V 250d bei 56’700 Franken und beim V 300d bei 59’400 Franken. Für den in der Schweiz beliebten Allradantrieb sind nochmals 4030 Franken zu bezahlen. Die Ausstattungslinien sind so vielfältig, wie man das von Mercedes kennt, ebenso die Individualisierungsmöglichkeiten. Doch alle haben eines gemein: Sie bieten einen hohen, von bemerkenswerter Stille geprägten Fahrkomfort für sechs bis acht Personen.
V 220d
- 120 kW/163 PS bei 3800–4400/min
- 380 Nm bei 1200–2400/min
- 6,5 l/100 km (AWD: 7,3 l/100 km)
- 0–100 km/h 11,2 s (AWD: 12,3 s)
- 195 km/h (AWD: 188 km/h)
V 250d
- 140 kW/190 PS bei 3800–4200/min
- 440 Nm bei 1350–2400/min
- 6,5 l/100 km (AWD: 7,1 l/100 km)
- 0–100 km/h 9,6 s (AWD: 10,5 s)
- 205 km/h (AWD: 199 km/h)
V 300d
- 176 kW/239 PS bei 4200/min
- 500 Nm (+30) bei 1600–2400/min
- 6,5 l/100 km (AWD: 7,1 l/100 km)
- 0–100 km/h 7,9 s (AWD: 8,6 s)
- 220 km/h (AWD: 214 km/h)