S 531 DT Test Drive Northeast Europe

FAHRBERICHT Setra bot einer kleinen Anzahl Fachjournalisten die Möglichkeit, das Flaggschiff S 531 DT Doppelstock auf seinem Spezialgebiet, der Langstrecke, zu testen.

Setra S 531 DT Doppelstock Testfahrt TIR transNews
Setra S 531 DT Doppelstock auf fast 1500 km langer Testfahrt.

Im September 2017 stellten wir den neuen Doppelstock erstmals vor. Im Juni 2018 folgte der erste, kurze Fahrbericht. Im März 2019 wurde nun eine kleine Gruppe von Fachjournalisten zu ­einem Fahrtest auf der Paradedisziplin der Doppelstöcker, der Langstrecke, geladen. In fünf Etappen wurde eine Strecke über gut 2000 km von Berlin über Polen, Litauen und Lettland bis nach Tallinn (Estland) absolviert. TIR transNews war auf der Strecke von Vilnius (Litauen) nach Riga (Lettland) im Einsatz.

Die Krux mit der Länge

Frisch weg vom Morgenbuffet übernahm unser französischer Kollege als Erster das Steuer. Der Bus stand nahe am Trottoir-Rand, wo sich auch ein massiver Beleuchtungskandelaber befand. Der Kollege schaute in den linken Spiegel, um in die stark befahrene Hauptstrasse einbiegen zu können. Der Ausschwenkbereich beim 14-Meter-Dreiachser misst gegen 1,5 Meter. Diesen Schwenkbereich gilt es zu beachten – der Kandelaber war in diesem Falle stärker als die Verblechung am Bus. Für solche Situationen wäre eine Eckkamera hilfreich.

Auf der Strecke zeigte der S 531 DT seine Langstrecken-Qualitäten. Bei Dauerregen und kalten Temperaturen rollte der mit Wassertanks auf 24 Tonnen aufgelastete Riese ruhig auf der gut ausgebauten Landstrasse und über die Autobahn und zeigte dabei keine Schwächen. Natürlich standen dem Motor OM 471 mit seinen 375 kW (510 PS) auch keine nennenswerten Steigungen im Wege. Egal, welchen Platz man als Passagier eingenommen hatte, der Bus absolvierte mit einem ruhigen, aber monotonen Brummen aus dem Technikraum seine Kilometer. Störende Geräusche waren keine wahrzunehmen.

Nach kurzer Mittagspause setzten wir uns auf den «Kommandoplatz». Das aufgeräumte und bekannte Setra-­Cockpit bot keine negativen Überraschungen. Ausser bei einem kurzen Zwischenstopp an der Zollstation Litauen/Lettland lief alles rund. In Lettland verschlechterten sich die Strassenverhältnisse massiv. Auf der Überlandstrasse strapazierten nun grosse Schlaglöcher, denen man nicht immer ausweichen konnte, das Fahrwerk. In der Stadt Riga ging es eher gemütlich zu und her. «Blitzer» haben wir keine entdeckt; bei diesen Strassenverhältnissen fährt kaum einer über 50 km/h innerorts. Aber auch diese Herausforderung meisterte der Doppelstock bravourös. Egal, welchen Hindernissen das Fahrzeug ausgesetzt war, sie wurden ohne Probleme und immer mit einer sanften Abfederung der Unebenheiten bewältigt.

Sicher im S 531 DT unterwegs

Abbiegemanöver nach rechts im Stadtverkehr gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben eines Busfahrers: Der Chauffeur muss vorne Ampeln, Beschilderung, Gegen- und Querverkehr beachten und gleichzeitig seitlich Fussgänger und Velofahrer im Auge behalten. Hinzu kommt, dass sich die Verkehrssituation in Sekundenbruchteilen ändern kann. Setra bietet deshalb im S 531 DT den Abbiege-Assistenten Sideguard Assist mit Personenerkennung an. Das System kann sowohl stationäre Objekte wie Ampelmasten, Verkehrsschilder und Poller in der Warnzone rechts des Busses erkennen als auch bewegte Objekte wie Fussgänger, Velofahrer oder andere Fahrzeuge. Die Arbeitsweise des Sideguard Assist ist mehrstufig: Befindet sich ein bewegtes oder stationäres Objekt in der Überwachungszone, wird der Fahrer zunächst optisch informiert. Im Aussenspiegel auf der Beifahrerseite leuchtet zu diesem Zweck eine LED in Dreiecksform gelb auf. Erkennen die Sensoren eine Kollisions­gefahr, blinkt die LED-Leuchte mehrfach rot mit höherer Leuchtkraft und nach zwei Sekunden permanent rot. Hinzu kommt dann eine Vibrationswarnung im Fahrersitz.

Herzstück des Sideguard Assist ist eine Radarsensorik mit zwei Nahbereichs-Radarsensoren auf der Beifahrerseite im Radlauf der Vorderachse. Die seitliche Überwachungszone ist 3,75 Meter breit. Das System ist so ausgerichtet, dass es die komplette Länge des Busses abdeckt plus einen zwei Meter langen Streifen nach vorn und nach hinten. Bei Geschwindigkeiten von über 36 km/h vergrössert sich der Streifen nach vorn auf bis zu fünf Meter und nach hinten auf bis zu 15 Meter. Wichtig: Der Fahrer bleibt in allen Situationen, in denen der Sideguard Assist warnt, weiterhin in vollem Umfang in der Verantwortung für das Fahrzeug.

Reisebusse mit Notbremsassistent können nicht nur die Folgen eines schweren Unfalls reduzieren, sie können die Kollision im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten in vielen Situationen sogar verhindern. Das mittlerweile für Klasse-3-Busse gesetzlich vorgeschriebene Advanced Emergency Braking System (AEBS) muss beim Zusteuern auf bewegliche und stehende Hindernisse einen deutlichen Geschwindigkeitsabbau gewährleisten. Der neue Active Brake Assist 4 geht deutlich über diese Anforderungen hinaus. Im S 531 DT ist der Notbremsassistent serienmässig. Ähnlich fortschrittlich zeigt sich das AEBS in den LKW von Mercedes, wie dies der durch die Baloise-Ver­sicherung organisierte Crash beweist (siehe Seite 18).

Herausragendes neues Merkmal des Active Brake Assist 4 ist die Personenerkennung: Das System warnt den Fahrer vor einer Kollision mit sich bewegenden Fussgängern und leitet zusätzlich automatisch eine Teilbremsung ein. Das eröffnet dem Fahrer die Möglichkeit, durch eine Vollbremsung oder ein Lenkmanöver die Kollision zu vermeiden. Anders als beim Bremsen vor bewegten und stehenden Hindernissen erfolgt bei der Warnung und Teilbremsung vor sich bewegenden Fussgängern keine Warnkaskade: Die akustische und optische Warnung sowie die Teilbremsung setzen zeitgleich ein. Die automatischen Warn- und Brems­reaktionen der Personenerkennung des Active Brake As-sist 4 sind bis zu einem Tempo von 50 km/h wirksam.

Fazit zum S 531 DT

«Entspannt und sicher unterwegs», dies gilt nicht nur für den Fahrer, sondern auch für die Fahrgäste. Der 14-Meter-Riese ist kein Alpenkreuzer, sondern ein exzellentes, bequemes und sicheres Fortbewegungsmittel über längere Distanzen. Die zwei zur Verfügung stehenden Cockpit-­Varianten stehen allen Setra-Typen gleichermassen zur Verfügung, was dem Fahrer bei häufigen Fahrzeugwechseln zugute kommt. Die verschiedenen Sicherheits-­Features erleichtern ein sicheres Vorwärtskommen, selbst wenn der Fahrer mal etwas übersieht. Auch der Verbrauch kann sich sehen lassen. Über die gesamte Strecke von gut 1940 Kilometern gab Setra nach Ende der Tour einen Verbrauch von 26 l/100 km an, was für den aufgelasteten Doppelstöcker sicherlich einen guten Wert darstellt.

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