DAF erprobt zwei Wege zur CO2-Reduktion
ALTERNATIVE ANTRIEBE Mit zwei unterschiedlichen Antriebskonzepten bringt sich der holländische Lastwagenhersteller DAF stärker in Position bei der Herausforderung der CO2-Reduktion. Neben einem vollelektrischen Müllsammelfahrzeug stechen zwei Hybridlastwagen ins Auge.

Die Suche nach dem passenden Einsatz für die alternativen Antriebe scheint bei den schweren Nutzfahrzeugen, unabhängig vom Hersteller, eine ähnliche Entwicklung zu nehmen. Nachdem Volvo Trucks ergänzend zu seinen elektrischen Verteilerfahrgestellen (FL 4×2 und FE 6×2) auch im Baustellenbereich aktiv geworden ist, hat DAF seine Elektro-Zugmaschine CF durch eine Fahrgestellvariante für Abfallsammlung ergänzt. Der CF 6×2 wurde Ende 2019 angekündigt, und nach nur kurzer Zeit stehen jetzt die ersten vier Erprobungsfahrzeuge für den Kundeneinsatz bereit.
«Beim Gedanken an eine sauberere Zukunft gibt es für DAF keine alleinige technologische Lösung für das breite Spektrum an Transportanforderungen», erläutert Ron Borsboom, verantwortlicher Direktor in der Produktentwicklung. «Vollelektrische Technologie ist eine gute Alternative für den städtischen Verteilerverkehr und saubere Dieseltechnologie eine exzellente Option für den Fernverkehr.» Langfristig werde sich DAF auch näher mit Wasserstoff befassen.

Zum Test in Zwolle Die vier Abfallsammler werden vom niederländischen Entsorger Rova eingesetzt. Obwohl Rova in sechs Städten stationiert ist, beschränkt man sich vorerst auf die Stadt Zwolle. Der 6×2 mit gelenkter Nachlaufachse ist dank seiner hervorragenden Manövrierbarkeit prädestiniert für enge städtische Strassenverhältnisse und verfügt über 28 Tonnen Gesamtgewicht. Es gelangt dieselbe Antriebstechnologie von VDL zum Einsatz wie bei den CF-Elektro-Zugmaschinen. Der VDL-E-Power-Antriebsstrang mit 210 kW leistendem Elektromotor und maximal 2000 Nm Drehmoment wird von einer Lithium-Ionen-Batterie mit 170 kWh Kapazität versorgt, welche für rund 100 Kilometer Reichweite sorgt. Der Müllsammel-Aufbau ist ebenfalls von VDL und wird vollelektrisch angetrieben.
Die Einsatzidee ist es, bei Halbzeit des Arbeitstages, wenn der Sammelbehälter geleert wird und die Mannschaft Pause macht, den Lastwagen an die Schnellladestation anzustecken und das Fahrzeug für eine zweite Runde bereit zu machen. Das System ist derart ausgelegt, dass eine praktisch leere Batterie innerhalb einer halben Stunden wieder auf 80 Prozent ihrer Kapazität kommt. Offenbar erweist sich das Konzept als praxisgerecht, wie die Reaktion von Rova zeigt. «Für Rova ist die einfache Bedienung des DAF CF Electric entscheidend», sagt Marco van Lente, Generaldirektor von Rova. «Der DAF CF Electric ist genauso gut und einfach zu bedienen wie alle konventionell angetriebenen Lastwagen.» Bei Rova gehört der Einsatz von emissionsarmen Fahrzeugen zum firmeneigenen Nachhaltigkeitsplan.
Diesel über Land, Elektrisch in der Stadt Um die Langstrecke und den sauberen Stadtverkehr verbinden zu können, hat DAF in verschiedenen Projekten geforscht. Dabei sind die Niederländer unter Paccar-Dach zum Schluss gekommen, dass ein Mildhybrid der Aufgabe nicht gewachsen ist, weshalb man den Vollhybrid vorangetrieben hat. Die ersten zwei Hybridfahrzeuge wurden beim Transportunternehmen Peter Appel in Betrieb genommen. Appel ist heute einer der grossen Transporteure in Holland. Die Firma ist in den vergangenen 20 Jahren von 100 Mitarbeitern und 65 Fahrzeugen vornehmlich durch Firmenübernahmen auf 1500 Mitarbeiter, 700 Fahrzeuge und hollandweit 45 Standorte gewachsen. Peter Appel nutzt die beiden Fahrzeuge, um Geschäfte der Supermarktkette Albert Heijn im Herzen der Niederlande zu beliefern. Die beiden DAF fahren in städtischen Gebieten zu 100 Prozent elektrisch und setzen ausserhalb von städtischen Gebieten aktuellste Euro-6-Dieseltechnologie ein.

Die Technologie führt einen bewährten MX-11-Dieselsechszylinder und einen ZF-Elektromotor zusammen. Letzterer ist im speziell für Hybridantriebe konzipierten TraXon-Getriebe untergebracht und verfügt über eine Dauerleistung von 75 kW respektive über eine kurzzeitig abrufbare Leistungsspitze von 130 kW. Die Traktionsbatterie hat eine Kapazität von 85 kWh zu bieten, der 10,8 Liter grosse Diesel wiederum leistet 330 kW. Gegenüber TIR hatte Raoul Wijnands, Chef der Testabteilung am DAF-Hauptsitz in Eindhoven, die Schwierigkeiten der Funktionsabstimmung zwischen Elektro- und Dieselmotor betont, weshalb er eine Serienproduktion des Hybridantriebs nicht vor 2024 sieht. Mit dem Betriebstest des CF Hybrid will DAF nicht nur die Leistung der Elektro-/Dieseltechnologie beurteilen, sondern auch, wie sehr sich der Hybrid tatsächlich für die tägliche Nutzung eignet.
Abhängig von Topografie und Gesamtgewicht, reicht die voll geladene Batterie für 30 bis 50 Kilometer elektrische Fahrt. In einem ersten Schritt wird die Batterie während der Fahrt geladen, indem der Elektromotor als Generator dient. In Zukunft wird es gemäss DAF möglich sein, die Batterie an einer Ladestadtion (inkl. Schnellladung) mit «Saft» zu versorgen. Letzteres ist ein essenzieller Schritt, denn wie die Erfahrungen aus dem Personenwagenbereich zeigen, lässt eine Ladung während der Fahrt den Verbrauch substanziell in die Höhe schnellen. Das ist für die TCO, aber auch mit Blick auf das grosse Ziel, die Reduktion von CO2, kein gangbarer Weg. Allerdings bringt DAF bereits ein intelligentes Energiemanagement zum Einsatz, das beim Hybrid zu zusätzlichen Verbrauchsreduktionen sorgt. Der Elektromotor kann einerseits an Steigungen den Diesel unterstützen, er dient aber auch als Generator für die Energierückgewinnung, beispielsweise bei Abwärtsfahrt und im Zusammenhang mit dem vorausschauenden Tempomaten.
«Gemeinsam mit unserem Kunden, Albert Heijn, sind wir immer auf der Suche nach Möglichkeiten zur Reduktion unseres CO2-Fussabdrucks», sagt Marcel Pater, Flottenmanager bei Peter Appel Transport. «Während die elektrischen LKW ideal für den städtischen Verteilerverkehr sind, ist die Hybridtechnologie besser für längere Strecken geeignet.» In der Stadt werde der DAF CF Hybrid vollelektrisch betrieben. Dank des Dieselmotors könne mit ihm zudem ohne Probleme von Verteilerzentrum zu Verteilerzentrum inner- und ausserhalb der Niederlande gefahren werden.