Der Ford F-Max ist Truck of the Year 2019
FORD F-MAX Mit dem F-Max lanciert Ford Trucks eine neue, schwere Sattelzugmaschine. 500 PS stark und sehr betriebsfreundlich ausgestattet, ist sie der erste Schritt von Ford, um mit den schweren LKW auch in Westeuropa Fuss zu fassen. Der F-Max wurde zum Truck of the Year 2019 gekürt.

In Westeuropa gehören Lastwagen von Ford Trucks zu absoluten Exoten. Andere Produkte des in der Türkei basierten Ablegers der Ford Motor Company sind hier weit verbreitet. Denn südlich von Istanbul entwickelt Ford Otosan nicht nur die schweren Lastwagen, sondern auch leichte Nutzfahrzeuge wie den Ford Transit. Teilweise werden die Fahrzeuge selbst produziert, teilweise werden sie anderweitig hergestellt, wie der erwähnte Transit, dessen Fabrikation zuletzt nach Valencia verlegt worden war. Ford Otosan ist übrigens ein 50-zu-50-Joint-Venture zwischen der amerikanischen Ford Motor Company und der türkischen Gruppe Koç.
Schwere LKW baut Ford Otosan mit dem Modell Cargo seit 2003, den Export startete die Firma 2012 mit dem weiter entwickelten Global Cargo. Dabei wurden nicht einfach fremdentwickelte Fahrzeuge hergestellt, vielmehr blickt Ford Otosan auf einen hohen Anteil Eigenentwicklung zurück. Mit dem ersten Cargo kam auch der erste eigene Diesel, wobei der Ecotorq-Motor einen Hubraum von 7,3 Liter aufwies. Später kam eine 9,0-Liter-Version dazu und im Jahr 2016 ein 12,7-Liter-Triebwerk. Letzteres dient heute auch als Basis für den 500-PS-Motor im neuen, auf der IAA vorgestellten Lastwagen F-Max. Aktuell werden Ford Trucks aus der Türkei in 41 Ländern vertrieben, bis 2020 sollen es 51 Länder werden, wobei das Hauptwachstum im westeuropäischen Markt stattfinden soll.
Zur Konstruktion
Dank modularem Aufbau lassen sich spätere Kabinenversionen mit hohem Gleichteile-Anteil von rund 70 Prozent fertigen. Die Konstruktion basiert auf tragenden Rahmen, welche die Kabine wie Ringe umschliessen. Das sorgt für hohe Torsionssteifigkeit, hohe Crashsicherheit und hohe Dämpfung von Vibrationen. In der X-Achse stehen längs je ein Ring links und rechts und reichen vorne vom Fussbereich über die Rückwand und das Dach bis wieder vorne zum oberen Windschutzscheibenrand. In der Z-Achse liegt der Ring oberhalb des oberen Scheibenrandes rund um die Kabine und in der Y-Achse steht der Ring quer hinter den Türen. Bei den Materialien greift Ford für rund 30 Prozent der Stähle auf hochfeste Materialien zurück und verzichtet bewusst auf aufwendige und teure Rohstoffe wie Bor.
Bei den grossen Fahrerhäusern moderner Trucks spielt die Aerodynamik eine wichtige Rolle. Für die Entwicklung des F-Max wurde dazu zu grossen Teilen auf die Computer-Ressourcen des Mutterhauses in Dearborn/USA zurückgegriffen. Den Aerodynamikwert hält Ford Otosan zwar unter Verschluss, doch werden sämtliche Massnahmen wie spezielle Bodenbleche und Rad- sowie Spiegelanpassungen standardmässig eingebaut.
Übersicht im Cockpit
Die Instrumente und Bedienelemente sind griffgünstig um den Fahrer angeordnet und die Sitzposition auf dem neuen, serienmässigen Komfortsitz ermöglicht einen guten Überblick über das Verkehrsgeschehen. Grosse Runduhren flankieren ein hochauflösendes 8-Zoll-Infodisplay, in dem die unterschiedlichen Informationen zu Fahrweise und zum Fahrzeug ins Blickfeld gerückt werden. Für die LKW-spezifische Navigation, Multimedia und Zusatzinformationen dient der 7,2-Zoll-Touchscreen auf der Mittelkonsole. Die Klimaautomatik ist übrigens genauso Standard wie alle aerodynamischen Optimierungen und die diversen Assistenzsysteme.
Unterschiedliche Fahrprogramme, wie Eco Mode und Power Mode, ermöglichen eine einsatzspezifische Leistungsabfrage und verbessern die Treibstoffbilanz. Die Predictive Cruise Control PCC regelt übrigens nicht nur den unmittelbaren Antriebsstrang, sondern bezieht auch alle Nebenaggregate mit ein. Erkennt PCC beispielsweise, dass in einem Kilometer ein Gefälle kommt, wird die Motorkühlung noch bis dahin hinausgezögert oder der Klimakompressor noch nicht eingeschaltet.
Antriebsstrang
Um die Fuhre auch sicher zum Stehen zu bringen, steht die 400-kW-Motorbremse zur Verfügung und auf Wunsch ein ZF-Intarder mit 600 kW. Letzterer ist optionaler Bestandteil beim 12-Gang-Traxon-Getriebe von ZF, wobei Ford Trucks aktuell an einem eigenen 16-Gang-Getriebe und eigenem Intarder arbeitet und damit ab 2020 das Traxon ablösen will. In der Fussbremse hat Ford ein Warnsystem eingebaut, das bei intensiver Nutzung vor Bremsfading warnt. Vorgängig zur Warnung verändert das System aber auch die Pedalreaktion, um den Fahrer auf das sich anbahnende Fading aufmerksam zu machen, wie das bei den vor-elektronischen Bremsen ganz natürlich der Fall war.
Die Abgasnachbehandlung ist wartungsfreundlich aufgebaut (alle 450’000 km). Während zahlreiche Lastwagenhersteller mit SCR-only-Abgasnachbehandlung arbeiten, setzt Ford im F-Max auf die Abgasrückführung. «Wir haben auch eine SCR-only-Version entwickelt, haben uns aber aus Verbrauchsgründen für die Abgasrückführung entschieden», erklärt Tolga Senoguz, Direktor von Fords Antriebsstrangentwicklung.
Auch die PCC nutzt die ConnecTruck-Plattform zur Analyse der Route und der Verkehrsverhältnisse; Ford nennt die damit verbundene Optimierung «MaxCruise» und beziffert die damit mögliche Verbrauchsreduktion mit rund vier Prozent. ConnecTruck kann auch zur Fahranalyse des Chauffeurs genutzt werden, fürs Flottenmanagement und für Standortabfrage, Treibstoff- und Adblue-Status sowie andere Performance-relevante Daten des Wagens.
Niedrige Werte für TCO angepeilt
Der Preis seines sehr umfangreich ausgerüsteten neuen F-Max bewegt sich gemäss Ford Otosan leicht unterhalb der etablierten Hersteller. Auch bei der TCO rechnet Ford mit sehr niedrigen Werten. «Für den Kunden spielt meist nicht der Kaufpreis eine Rolle, jedoch muss die TCO stimmen», meint Serhan Turfan, Vizepräsident Verkauf und Marketing. Diese allgemeingültige Aussage untermalt Turfan damit, dass gegenüber dem Cargo der Verbrauch rund sechs Prozent und der Unterhalt rund sieben Prozent tiefer lägen.
R&D sind in der Türkei bei Ford Otosan ein zentraler Bestandteil der Firma. Durch die Möglichkeit des Rückgriffs auf die Rechnerleistungen in Dearborn lassen sich auch komplexeste Probleme lösen. So arbeitet Ford Otosan auch an alternativen Antriebssträngen und Technologien für autonomes Fahren. Noch diesen Herbst soll der Entscheid fallen, ob bei der Antriebstechnologie CNG oder LNG fertig entwickelt werden soll. Zudem läuft im Januar 2019 die Prototypen-Erprobung mit einem batterieelektrischen LKW für Kurzstrecke und Abfallsammlung an. Und für Langstreckenbetrieb arbeitet Ford am Hybridantrieb. Noch im Dezember schliesslich startet der Hersteller mit der Einmarken-Platooning-Erprobung.
Vertriebsstrategie
Die Produktion des F-Max ist jetzt bei Ford Otosan angelaufen und die ersten Fahrzeuge werden auf dem Heimmarkt Türkei zum Einsatz gebracht werden. Danach folgen die Märkt in Zentral- und Osteuropa. Mit einem breiten Servicenetz in Westeuropa legt Ford den Grundstein für den Einstieg in diese doch sehr kompetitive Region. Einzig die Schweiz, Portugal und Irland sind vorerst noch von diesem Netzwerk ausgenommen. «Wir hoffen, dass wir mit dem F-Max bis 2020 von der Ford Motor Company auch für das restliche Europa Grünes Licht für den LKW-Vertrieb zu erhalten», meint Serhan Turfan.
Mit einem Ergebnis von 126 Punkten konnte der neue Ford F-Max die Herausforderer Scania L&P-Serie und Volvo FH/FM mit LNG-Antrieb klar auf Distanz halten. Zu den Bewertungskriterien der Fachjury für die begehrteste Auszeichnung der europäischen Nutzfahrzeugbranche zählen Innovation, Komfort, Sicherheit, Fahrverhalten, Wirtschaftlichkeit, Marktrelevanz und Umweltfreundlichkeit. Im Zuge der ausführlichen Testfahrten in der Türkei gefielen der ITOY-Jury vor allem die Effizienz und die ausgezeichnete Charakteristik des gesamten Antriebsstranges des Trucks, der serienmässig mit Eco-Roll, Adaptive Cruise Control (ACC) und der GPS-gesteuerten PCC ausgestattet ist. Ebenso gefallen Laufruhe und Abstimmung des Ecotorq-Motors mit dem automatisierten Getriebe.
ITOY begeistert
Die Jury zeigte sich auch begeistert von den Qualitäten des vollkommen neu entwickelten Fahrerhauses. Mit einer Breite von 2,50 m und einer Stehhöhe von 2,16 m bei einem annähernd ebenen Fahrerhausboden und grosszügigem Stauraum steht vor allem der Komfort im Mittelpunkt. Gianenrico Griffini, Jury-Präsident von Truck of the Year: «Mit der Markteinführung des neuen F-Max hat Ford Trucks eine ausgefeilte Sattelzugmaschine auf den Weg gebracht, die das Potenzial hat, ein bedeutender Player im wettbewerbsintensiven Fernverkehrssegment zu werden.»