Der Volvo FH Aero hat nicht nur die Aerodynamik im Visier

VOLVO TRUCKS Mit dem neuen Topmodell FH Aero verbessert Volvo Trucks seine Effizienz um fünf Prozent. Mit dem Aero führen die Schweden auch die Spiegelkamera sowie zusätzliche Sicherheitssysteme ein.

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Der Volvo FH Aero ermöglicht eine substanzielle Verbrauchsreduktion. Obwohl klar als Volvo Truck zu erkennen, wirkt die Front frischer und bietet neue Beschriftungsmöglichkeiten für die Transporteure.

Ende Januar 2024 hatte Volvo den FH Aero als Antwort auf die neue EU-Regulierung zu Gewichten und Abmessungen präsentiert. Das neue Topmodell fällt vor allem durch eine neu gezeichnete Front aus, die knapp 240 mm weiter nach vorne ragt als die bisherigen und weiterhin erhältlichen Modelle. Zugleich führte Volvo Neuerungen beim Tempomatsystem I-See ein und erweiterte die Fahrerassistenzsysteme. Eine Besonderheit in der LKW-Riege ist dabei die Warnung in der Kabine, falls beim Türöffnen von hinten ein Fahrzeug oder ein Velofahrer herannaht. Diese Door Opening Warning nutzt den Seitenradar des Abbiegeassistenten und ist bis zwei Minuten nach Abschalten des Motors noch aktiv.

Spieglein, Spieglein …

Die aerodynamischen Verbesserungen im FH Aero umfassen zusätzlich zur Front auch diverses Feintuning an Karosseriespalten und die optimierte Luftführung. Dazu trägt vor allem das Spiegelkamerasystem (Camera Monitor System, CMS) bei. Eine Veränderung am bekannt souveränen Fahrverhalten des Volvo FH durch die geänderte Aerodynamik konnten wir trotz mehrstündiger Probefahrten keine feststellen und die Verbrauchsverringerung um bis zu fünf Prozent lässt sich ohnehin besser auf dem täglichen Logistikeinsatz nachweisen. Hingegen konnten wir die Qualität und Funktion der Kameraspiegel ausgiebig testen.

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Cockpit mit den Spiegelmonitoren – um den Distanzunterschied auszugleichen, ist der rechte Bildschirm grösser.

Volvo hatte für die Beifahrerseite bereits eine Kamera im Einsatz, die bei betätigtem Blinker den toten Winkel einsehen lässt. Nun wurde diese Kamera auf Beifahrerseite in die neuen Kameraarme integriert, das Bild wird aber weiterhin auf dem Bildschirm der Mittelkonsole angezeigt. Für die Hauptkameras stehen zwei an den A-Säulen positionierte Bildschirme bereit, auf Fahrerseite 12 Zoll (ca. 30 cm), auf Beifahrerseite 15 Zoll (ca. 38 cm) gross. Wie Systemvorreiter Mercedes-Benz hat Volvo die Trottoir- und Rampenspiegel beibehalten, da sie die Aerodynamik praktisch nicht beeinflussen und weil die Integration der damit verbundenen Displays zu aufwendig gewesen wäre.

Die Vorteile solcher Kameraspiegelsysteme sind bekannt: Wegen ihrer hohen Position und der geschützten Lage der Linsen verschmutzen die Kameras kaum, bieten auch bei tief stehender Sonne eine nur minimalst gestörte Sicht nach hinten und ermöglichen den Blick auf Anhänger und Sattelauflieger bei Kurvenfahrt (Panning, Schwenken). Bei Volvo kommt dazu, dass zusätzlich Infrarotleuchten in den Kameraarmen integriert sind, welche bei Nacht oder im Tunnel für ein deutlich klareres Bild sorgen.

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Kameraarm und konventioneller Trottoirspiegel – der Arm ist beheizt und mit einer Infrarotleuchte bestückt.

Unterschiedliche Winkelgrössen passen die Ansicht für beispielsweise Stadtverkehr oder zum Vorwärts- und Rückwärtsmanövrieren an und zeichnen solche Systeme aus. Dazu kommen die Hilfslinien im Bildschirm, welche den Chauffeur das eigene Fahrzeugende und das Tempo eines von hinten herannahenden Wagens besser abschätzen lassen. Ausgelegt hat Volvo das System auf praktisch alle gängigen Gespannlängen zwischen 16,5 und 34,5 Metern. Im Lastwagen sind dazu sechs Grundeinstellungen hinterlegt und in den Einstellungen abrufbar.

Das Camera Monitor System ist in allen Versionen des FH Aero serienmässig eingebaut, in den Modellen FH, FM und FMX wird es von Volvo optional angeboten.

Wie sich der Volvo FH Aero auf die Kurvenlinie einstellt

Ausgeweitet hat Volvo zudem die Funktionalität anderer Systeme, wie etwa beim vorausschauenden Tempomaten I-See. Bislang war er auf die topografiebestimmte Effizienzsteigerung des Antriebs ausgelegt, mit Einfluss auf Gangwahl, Gangwechsel und Geschwindigkeit. Neu adaptiert I-See Tempo und Gangwahl auch mit Bezug auf Kurvenradien, Kreisel und Geschwindigkeitstafeln. In den Settings kann der Chauffeur zudem in drei Stufen festlegen, ob der Lastwagen eher schneller oder eher langsamer die Kurven- und Kreiselfahrten ausführen soll. So können gezielt Ladung und Transportgut, aber auch das Fahrgefühl des Chauffeurs berücksichtigt werden.

Auf unseren Testfahrten hat die Temporegulierung durch das System einen guten Eindruck hinterlassen, nur selten mussten wir manuell per Bremspedal noch zusätzlich Fahrt herausnehmen. Vor allem die Tempolimits werden gut erkannt und auf sanfte Weise umgesetzt. Dabei zeigte sich, dass Volvo neben der Kamera für die Verkehrsschilderkennung auch die gespeicherten Navigationsdaten nutzt. Sind diese Daten inakkurat, geht es ohne Eingriff des Fahrers nicht. So bremste der Lastwagen auf einem bestimmten, aber breiten und freien Streckenabschnitt auf unserer Testfahrt unvermittelt herunter, weil dort früher 50 km/h galt, im System aber die Korrektur nicht ausgeführt wurde. Das ist an sich kein Beinbruch, zeigt aber auf, wie wichtig die Aufmerksamkeit des Chauffeurs auch in modernsten Fahrzeugen bleibt.

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Beim Aero gibt es nur noch einen, dafür einen besonders breiten Servicetritt. Im Tritt ist auch ein Becherhalter integriert.

Fahrspurassistent

Dies gilt natürlich auch bei Systemen wie dem neuen Pilot Assist. Die Weiterentwicklung der Spurhalteunterstützung korrigiert über das Dynamic Steering von Volvo nicht nur bei einem Abdriften aus der Fahrspur, sondern hält den Truck permanent und stabil in der Spur. In Kombination mit dem Abstandstempomat ergibt sich daraus eine erste Version von automatisiertem Fahren (Level 2). Das verlangt eine gewisse Angewöhnung, funktioniert dann aber richtig entlastend.

Ganz im Sinn der neuen Sicherheitsvorschriften der EU erkennt das Notbremssystem nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Velofahrer und Fussgänger. Den neu auf Beifahrerseite vorgeschriebenen Abbiegeassistenten hat Volvo auch auf Fahrerseite installiert. Und die Nahbereichserkennung warnt den Fahrer, wenn sich beim Anfahren oder langsamem Manövrieren unmittelbar vor dem Lastwagen eine Person oder ein Gegenstand befindet.

Die Neuerungen bei den Assistenzsystemen führt Volvo natürlich nicht nur beim FH Aero ein, sondern rollt sie über die gesamte Lastwagenpalette aus.

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