«Es braucht eine BEV- und eine H2-Infrastruktur»
WASSERSTOFFANTRIEB Mercedes-Benz schickt fünf Brennstoffzellen-Lastwagen in die Kundenerprobung. Bei der Übergabe plädiert Martin Daum von Daimler Truck für einen Ausbau von E-Lade- und von H2-Tankinfrastruktur und warnt vor einem Religionskrieg bezüglich gasförmig oder flüssig.

Über die kommenden zwölf Monate werden Amazon, Air Products, Holcim, Ineos und Wiedmann & Winz in ihren sehr unterschiedlichen Transportlösungen je einen Mercedes-Benz GenH2 Brennstoffzellen-LKW unter Realbedingungen im Alltag erproben. Das Daimler-Truck-Entwicklungsteam wird die gewonnenen Erkenntnisse und das Kundenfeedback in die Serienentwicklung einfliessen lassen; die Serienproduktion soll gegen Ende der Dekade starten. Nötig bleibt aber eine passende H2-Infrastruktur.

Die Lastwagen nutzen Brennstoffzellen von Cellcentric, dem Joint Venture von Daimler Truck und Volvo Group. Doch anders als alle sonst im Wasserstoff engagierten OEM führt Mercedes den Wasserstoff nicht gasförmig, sondern in flüssiger Form mit. Dieser auf minus 253 °C tiefgekühlte, kryogene Wasserstoff wird in zwei Tanks im Fahrzeugrahmen mitgeführt, wobei mit je 44 kg Energie für eine Reichweite von rund 1000 km gesorgt ist.
Strategie der Europäischen H2-Infrastruktur bislang nicht definiert
Ähnlich wie LNG erwärmt sich LH2 (liquid H2) bei Nichtgebrauch sukzessive, wobei es bis zu einer Entweichung/Verpuffung mindestens eine Woche dauern soll. Das Betanken ist deutlich einfacher als mit gasförmigem H2, da keine hohen Drücke erforderlich sind und der Vorgang im Zeitrahmen einer grossen Dieselbetankung dauert. Zugleich birgt LH2 den Vorteil, dass auch eine mögliche Umwandlung in gasförmigen Wasserstoff relativ einfach vonstattengeht, sich also an einer LH2-Tankstelle bei Bedarf und mit entsprechender Technik auch Wasserstoff-Fahrzeuge mit 350 oder 700 bar betanken lassen. «Wir wollen auch deshalb keinen Religionskrieg zwischen Gas-H2 und LH2», betont Martin Daum.
In ihrer Grussbotschaft bekräftigt Hildegard Müller, Präsidentin VDA den Bedarf von zweierlei Infrastruktur: «Allein auf batterieelektrische LKW und Infrastruktur zu setzen, bringt Stromnetze und Besitzer grosser Flotten sicher an ihre Grenzen.» Deshalb sei es wichtig, den Ausbau von Stromlade- und von H2-Betankungs-Infrastruktur voranzutreiben.