Spezial-LKW Oxygen im Einfluss von Stadtlogistikern

VERTEILERVERKEHR Die Transportlogistiker in Ländern wie Frankreich und Holland rechnen mit zunehmenden Erschwernissen für die Belieferung von Innenstädten. Mit dem Projekt Oxygen arbeiten drei Unternehmen mit Renault Trucks bei der Entwicklung eines spezifischen Innenstadt-E-LKW zusammen.

Der Renault Trucks Oxygen («Sauerstoff») ist ein zusammen mit Geodis entwickelter, gezielt auf Innenstadt-Einsatz ausgelegter Elektro-LKW.
Der Renault Trucks Oxygen («Sauerstoff») ist ein zusammen mit Geodis entwickelter, gezielt auf Innenstadt-Einsatz ausgelegter Elektro-LKW.

Oxygen ist eine Antwort darauf, dass vor allem grosse Agglomerationen begonnen haben, die Zufahrt in ihre Innenstädte mit teils strengen Vorschriften zu belegen. Die Massnahmen zielen darauf ab, das Verkehrsaufkommen in den Griff zu bekommen und zudem auf die Reduktion von Schadstoffemissionen. Metropolen wie London, Paris und Amsterdam haben entsprechende Regime aufgegleist, mit teilweise weiterführenden Verschärfungen in der Pipeline. So können niederländische Städte ab Anfang 2025 selbstständig Nullemissions-Zonen definieren, in welche nur noch Fahrzeuge ohne Schadstoffausstoss einfahren dürfen. Solche Vorschriften setzen Transportunternehmen wie Grossverteiler unter Zugzwang, damit sie bei Inkrafttreten solcher Vorschriften auch Lösungen bereit haben.

Innerstädtische Transportlösungen müssen dabei zwar auch die Abgasproblematik lösen helfen, doch ist durch das starke Wachstum des E-Commerce die Sättigung des Strassenraums in einigen Städten zum dominierenden Problem geworden. Deshalb hatte sich das international tätige Transport- und Logistikunternehmen Geodis an Renault Trucks gewendet, um gemeinsam ein Innenstadt-taugliches Fahrzeug zu entwickeln, das als Einzelfahrzeug die Transportaufgabe von drei und mehr Lieferwagen zusammen übernehmen könnte. Das Resultat heisst Oxygen, ein E-LKW für 12 oder 26 Tonnen, mit angepasstem Fahrerhaus.

Die zweite Version ist ein Dreiachser mit Kühlkoffer und wird ab Oktober in Amsterdam zum Einsatz gelangen.
Die zweite Version ist ein Dreiachser mit Kühlkoffer und wird ab Oktober in Amsterdam zum Einsatz gelangen.

Beim Fahrerhaus geht es um gute Übersicht über das Verkehrs- und Fussgängergeschehen rundum, um möglichst leichtes Ein- und Aussteigen und um einen komfortablen Fahrerplatz. Im Oxygen tun deshalb Spiegelkamerasysteme und ein 360-Grad-Rundumsichtsystem ihren Dienst, eine gute Direktsicht ist mittels seitlich hohem Glasanteil gewährleistet. Entsprechend ist die Lowentry-Kabine über eine normale Fahrertüre und eine verglaste Schiebetüre rechts zugänglich, wobei rechts der erste Tritt praktisch auf Trottoirhöhe liegt.

Oxygen mit normaler Ladehöhe

Anders als bei der Kabinenzugänglichkeit wurde jedoch beim Laderaum auf eine Niederflurlösung verzichtet. Ganz abgesehen davon, dass eine durchgehend ebene Ladefläche so nicht möglich gewesen wäre, hätten auch die Ladedocks der Logistikhäuser angepasst werden müssen. Also wurde viel mehr darauf geachtet, beim Oxygen eine praxisgerecht bedienbare Laderampe und eine intelligent platzierte Seitentüre einzubauen.

Gute Direktsicht dank Glasschiebetüre, Spiegelkameras und 360-Grad-Kameras sorgen für tadellose Rundumsicht.
Gute Direktsicht dank Glasschiebetüre, Spiegelkameras und 360-Grad-Kameras sorgen für tadellose Rundumsicht.

Erste Erfahrungen sammelt Geodis mit einem 18-Tonnen-Zweiachser und Trockenkoffer seit Anfang Jahr in Lyon und danach – rund um die Olympischen Spiele – auch in Paris. Ein zweites Fahrzeug ging diesen Oktober auch in Amsterdam an den Start, und zwar für die Supermarktkette Jumbo mit ihrem Transporteur SVZ. «Auch in Nullemissions-Zonen wird die Shopbelieferung der letzten Meile unumgänglich sein», so Wilko Maas, Flottenmanager Jumbo Supermärkte. «Mit dem Oxygen-Truck machen wir die benötigten Erfahrungen und bereiten uns fast automatisch auf die Zukunft vor.»

Eine spätere Serienfertigung wird von Renault Trucks nicht ausgeschlossen.

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