Learning by Driving mit der Innovationsflotte

CAMION TRANSPORT AG Um richtungsweisende Antworten auf die wesentlichen Fragen zu finden, setzt die Camion Transport AG verschiedene Nutzfahrzeuge mit Alternativantrieb im Tagesgeschäft ein – darunter auch Vorserienfahrzeuge des Fuso eCanter.

Camion Transport AG Innovationsflotte 2021 TIR transNews
Ein Teil der Innovationsflotte der Camion Transport AG: Alle Fahrzeuge auf dem Bild fahren lokal emissionsfrei.

Die Dekarbonisierung des Güterverkehrs ist längst kein Trend mehr, sondern Programm. Das Familienunternehmen aus der Ostschweiz hat sich dazu Etappenziele gesetzt
und diese kommuniziert: emissionsfreie Belieferung der Innenstädte ab 2025, der urbanen Regionen ab 2030. Überlandstrecken sollen schliesslich ab 2040 mehrheitlich mit emissionsfreien Fahrzeugen zurückgelegt werden. Dafür ist die Innovationsflotte ein wichtiges Instrument.

Das bald hundertjährige Unternehmen setzt im Flottenmanagement nicht auf eine einzige alternative Antriebstechnologie. Josef Jäger, Direktor von Camion Transport, erklärt: «Unsere Innovationsflotte reicht vom muskelbetriebenen Cargo eBike bis zum schweren Nutzfahrzeug und besteht aus Elektro-, Brennstoffzellen-Elektro- sowie Hybridfahrzeugen. Diese haben alle ihren eigenen Charakter, unterschiedliche Aktionsradien, sind also geschaffen für verschiedene Einsatzgebiete. Und sie eignen sich nicht für jede Transportart im gleichen Mass.» Begleitend prüft der Logistikspezialist auch die Ladetechnologien und -geräte sowie die idealen Standorte für Elektro-Tankstellen, unter anderem mit der Möglichkeit für Zwischenbetankungen in den schweizweiten Niederlassungen.

Camion Transport AG Innovationsflotte 2021 FUSO eCanter TIR transNews
Gleich drei Vorserienmodelle des Fuso eCanter sind in der Innovationsflotte von Camion Transport im Praxiseinsatz. Die Erfahrungen fliessen direkt zurück zu Fuso.

Auf dieser Grundlage testet Camion Transport Alternativantriebe in der Praxis, seit Februar 2021 auch den vollelektrischen Fuso eCanter als Vorserienmodell in Luzern (Rothenburg), Basel und Genf im Cityeinsatz. «Dass wir das schweizweit erste Unternehmen sind, das mit diesem wegweisenden Fahrzeug unterwegs ist, macht uns schon ein bisschen stolz», sagt Josef Jäger. Doch Zufall sei das nicht, denn er mache bei Mercedes-Benz schon lange Druck – und als preisgekrönter Pionier auf diesem Gebiet ist die Camion Transport AG das perfekte Unternehmen, um das Vorserienfahrzeug im Lieferalltag zu testen. «Zunächst hatte ich bei den Fuso eCanter grosse Bedenken, weil sie nur 100 Kilometer Reichweite haben. Da wir sie aber während der 20 Minuten, die sie zwischen den Touren für das Ausund Beladen bei uns stehen, ans Kabel hängen, reicht es problemlos für die drei disponierten Touren in Agglomeration und Innenstädte», so Jäger. Tatsächlich seien die Erfahrungen mit den Klein-LKW positiv: «Die Fuso sind super, da sie mehr Nutzlast als Transporter haben, aber mit dem kurzen Radstand von 3,40 m genauso agil und damit ideal für die Feinverteilung von Kleinsendungen in der Innenstadt sind. Und die Fahrer freuen sich, zu den Ersten zu gehören, die mit zukunftsweisenden Fahrzeugen unterwegs sind.»

Die Brennstoffzellen-Elektro-Nutzfahrzeuge Hyundai Xcient Fuel Cell sind täglich für grössere Distanzen im Tagesgeschäft eingeplant. Parallel dazu fährt ein Elektro LKW der Schweizer E-Force One AG in der Westschweiz im Shuttlebetrieb und ermöglicht den direkten Vergleich. Die Kleinfahrzeuge schliesslich sind in der Citylogistik auf der letzten Meile unterwegs.

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Josef Jäger, Direktor Camion Transport AG, auf einem Johammer-Elektromotorrad.

Jüngstes Mitglied der Innovationsflotte ist der e-Ducato-Transporter von Fiat Professional für die Auslieferung von Kleinsendungen. Im Herbst stossen zwei rein elektrische Fahrzeuge von DAF Trucks dazu: ein 18-Tonner-Solowagen für den Einsatz im urbanen Raum und ein Cityliner-Sattelschlepper für die Belieferung von Gewerbe- und Industriegebieten. Zwei weitere Hyundai-Xcient-Fuel-Cell-40-Tonner sind zur Übernahme Anfang 2022 terminiert und für den schweren Wagenladungsverkehr vorgesehen, beispielsweise für die Getränkelogistik. Im Laufe des nächsten Jahres vervollständigen schliesslich fünf vollelektrische Mercedes-Benz eActros aus der ersten Serienproduktion die Innovationsflotte. Dieses Modell testete Camion Transport bereits als Pilotkunde von Juni 2019 bis Juni 2020.

«Wir lassen uns für eine tiefere Analyse der Innovationsflotte Zeit bis Ende 2022. Dann werden wir aufgrund der Erfahrungen und Fakten der Hersteller die weitere Fahrzeugbeschaffung definieren. Sowie das Investitionsbudget ab 2023 dafür freigeben», erklärt Jäger und führt weiter aus: «Der Anteil einzelner Antriebstechnologien ist offen. Es liegt nicht alles in unserer Hand. Wir sind bei der Planung von der Verfügbarkeit der Fahrzeuge abhängig. Nebst dem wichtigen ökologischen Aspekt muss es auch betriebswirtschaftlich Sinn ergeben. Und sind auch die Kunden bereit, Mehrkosten mitzutragen?» Ein erstes Fazit verrät Josef Jäger trotzdem bereits heute: «Wir werden bei gewissen Fahrzeugen die Versionen mit kleineren Batterien bestellen, da ich glaube, dass das Zwischenladen etwa beim Be- und Abladen ein effizienterer Einsatz ist, als mit überdimensionierten, schweren Batterien herumzufahren. Wie man das Aufladen aber in die betrieblichen Abläufe integriert, das muss jedes Unternehmen für sich selbst herausfinden. Alle Autos sind nämlich nur so gut, wie sie in den Betrieb integriert und eingesetzt werden.»

Dieser Artikel erschien erstmals im Oktober 2021 in TIR transNews.

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