Rasche humanitäre Transporte zur Ukraine möglich

SWISS HELP POINT Der gemeinnützige Verein Help-Point Sumy hat in den 16 Jahren seines Bestehens bis 2021 mehr als 2000 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gebracht. Die Nachfolgeorganisation Swiss Help Point mit Sitz in Lupfig will künftig in ganz Osteuropa humanitäre Hilfe leisten.

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Seit 2005 fuhren 26 Hilfskonvois aus Wohlen in die Stadt Sumy im Norden der Ukraine.

Die ganze Welt blickt auf die Ukraine – darunter auch jene Schweizer Lastwagenfahrerinnen und -fahrer, die in den vergangenen 17 Jahren in einem oder mehreren der Konvois in freiwilligem Einsatz humanitäre Güter in die Ukraine transportiert haben. Seit der Gründung des Vereins Help Point Sumy im Januar 2005 wurden 26 solcher Hilfskonvois aus Wohlen in die Stadt Sumy im Norden der Ukraine durchgeführt. Zuletzt machte die Coronapandemie diese Transporte aber unmöglich, die für Frühling und Herbst 2020 geplanten Konvois mussten abgesagt werden.

Aber nicht nur Corona, sondern auch die schwierigen politischen Verhältnisse in der Ukraine mit immer wieder ändernden Vorschriften und personellen Zuständigkeiten machten das humanitäre Engagement des Vereins in den letzten Jahren immer schwieriger, wie uns Alex Meier, Vizepräsident der Nachfolgeorganisation Swiss Help Point erklärt. Marianne Piffaretti, die Präsidentin von Help-Point Sumy, musste zur Vorbereitung und Durchführung der Transporte mehrmals pro Jahr in die Ukraine reisen. Zudem wurde der administrative Aufwand mit Zollpapieren, Deklaration des Hilfsmaterials und zahllosen Formularen und Genehmigungen immer grösser.

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Der administrative Aufwand mit Zollpapieren, Deklaration des Hilfsmaterials und zahllosen Formularen und Genehmigungen wurde für Transporte in die Ukraine immer grösser.

So schlug der Vereinsvorstand die Auflösung des Vereins Help-Point Sumy vor, die Generalversammlung stimmte diesem Schritt in einer schriftlichen Abstimmung zu. Damit endet die Geschichte des Vereins, der seit seiner Gründung mehr als 2000 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gebracht hatte.

Nach Sumy transportiert wurden primär Spitalbetten, medizinische Ausrüstung, Mobiliar für Heime, Schulen und Kindergärten sowie Material für Feuerwehr und Rettungsdienste. Dazu kamen rund 50 Feuerwehr-, Polizei- und Ambulanzfahrzeuge. «Die Konvois haben der armen Region dringend benötigte Unterstützung gebracht», schrieb Marianne Piffaretti, inzwischen Ehrenbürgerin der Stadt Sumy, in einem Brief zur Auflösung des Vereins an die Mitglieder.

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Zu den humanitären Gütern gehörte auch Schulmaterial.

Damit die humanitäre Hilfe funktionieren konnte, war neben dem grossen persönlichen Engagement der Präsidentin auch viel ehrenamtliche Arbeit nötig. So wurden die Hilfsgüter, die von Institutionen in der Schweiz gespendet wurden, von Freiwilligen abgeholt, zentral gelagert und in grosse Container verpackt. Für die Konvois konnte der Verein auf LKW-Garagen, Importeure und Transportunternehmen zählen, die Zugfahrzeuge und Auflieger zur Verfügung stellten.

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Von Polen in die Ukraine: Momentan ist hier an der Grenze Schluss.

Die freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer nahmen für die Konvois jeweils Ferien und zahlten alle ihre Kosten für Unterkunft und Verpflegung während der Transporte selbst. Der Kanton Aargau unterstützte die Hilfskonvois aus dem Swisslos-Fonds, dazu kamen Spenden und Gönnerbeiträge, welche die humanitäre Hilfe ermöglichten.

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Helfer vor Ort beim Anladen

In der im 2021 gegründeten Nachfolgeorganisation Swiss Help Point, ebenfalls ein Schweizer Verein, seien in etwa dieselben Leute engagiert. Das Ziel des neuen Vereins sei nun aber etwas breiter aufgestellt, so Alex Meier. Transporte in die Ukraine stünden aus den oben genannten Gründen nicht auf dem Plan. Im Fokus seien nun andere osteuropäischen Länder. So wurde im September 2021 der erste Transport nach Moldawien durchgeführt und als nächstes Land sei Rumänien auf der Liste. Dies könne sich aufgrund der aktuellen Situation aber auch rasch wieder ändern, so Meier: «Wir haben aktuell am Morgen des 28. Februar eine Anfrage erhalten, Hilfsgüter bis zur polnisch-ukrainischen Grenze zu bringen.» Es werde nun abgeklärt, um welche Art von Güter es sich handle, denn oft seien es kleinere Mengen und die könnten auch privat rasch nach Polen gefahren werden. «Gestern hat einer mit dem Lieferwagen Verbandsmaterial an die Grenze gebracht.»

Natürlich möchten wir wissen, ob man mit den Partnern in Sumy in Kontakt stehe und wie es ihnen gehe. «Sumy liegt nordöstlich von Kiev, die Region ist eher prorussisch, der Widerstand entsprechend bescheiden», gibt Meier zu. «Die Leute sind aber nicht begeistert über Unruhen und machen sich vor allem grosse Sorgen um die Zukunft. Denn wie stoppt man, was begonnen wurde und wie soll es nachher weitergehen?»

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Die Hilfe in der Ukraine kam vor allem Spitälern und Schulen (und somit Kindern) zu Gute.

Ein einzelner LKW mit einer Hilfslieferung sei rasch organisiert. «Aber wenn es mehrere sind, wird es komplizierter. Auch wissen wir noch nicht, wo an der ukrainisch-polnischen Grenze abgeladen werden soll.» Meistens würden sie Container füllen, die mit einem Kran umgeladen werden können. «Ich bin grundsätzlich dafür, etwas zu machen, aber es muss auch lösbar sein. Wenn wir den Umfang kennen und es für uns realisierbar ist, dann machen wir es. Dann bringen wir es auch zeitnah hin, also in rund zweieinhalb Tagen Fahrzeit. Bis zur Grenze ist es sicher und wenn beide Seiten es erlauben, würden wir auch hineinfahren. Ich gehe aber davon aus, dass man uns heute im Land nicht möchte.»

Inzwischen warten bereits die nächsten Container im angemieteten Lager in Zurzach. «Wäre ein LKW für die Ukraine nicht voll, ergänzen wir die Ladung mit Spitalbetten, die sind rasch aufgeladen. Wir können schnell etwas machen. Grundsätzlich sind wir bereit. Es geht nur um humanitäre Hilfe, wir sind wirklich neutral.»

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Alex Meier, Vizepräsident von Swiss Help Point: „Es geht nur um humanitäre Hilfe, wir sind neutral.“

www.swisshelppoint.ch

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