Thurtrans kombiniert Frischelogistik und LNG
KÜHLTRANSPORT Die Thurtrans AG ist seit 2011 das Frische- und Kühllogistik-Kompetenzzentrum der Schöni-Gruppe und beliefert Kunden wie Migros, Bina, Landi oder Lidl. Acht neue Scania-Nutzfahrzeuge mit LNG-Antrieb kommen jetzt in den Fuhrpark.

Wir betreten ein unscheinbares, fast schon malerisches Haus in Istighofen TG. Hier in der Zentrale sind Geschäftsführung, Administration und Disposition der vor 38 Jahren gegründeten Thurtrans AG untergebracht. Werkstatt und Waschstrasse befinden sich auf der anderen Strassenseite.
«Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf Lebensmitteltransporte», erklärt Geschäftsführer Andy Luginbühl. Besonders in den letzten zehn Jahren, nach Lidls Markteintritt in die Schweiz, ist Thurtrans zusammen mit ihren Kunden gewachsen. Heute sorgen zwischen 170 und 180 Mitarbeiter dafür, dass die knapp 100 LKW ihre Ladung konstant gekühlt und rechtzeitig an den Bestimmungsort bringen. Das Gros der Fahrzeuge steht an den Standorten Bischofszell, Utzenstorf, Weinfelden und Sévaz, also bei den grossen Kunden wie Bina, Lidl und Landi.

Nachtfahrten ermöglichen Zweischichtbetrieb
Das Besondere an gekühlten Frischprodukten (aber nicht Tiefkühlprodukten) ist, dass sie vom Nachtfahrverbot ausgenommen sind. Ein Riesenvorteil, denn «man umfährt die Staus», erklärt Luginbühl. «Unsere Nachtfahrer beginnen ihre Schicht zwischen 20 und 24 Uhr, je nach Tour. Sie beliefern Genossenschaften, Lidl-Filialen oder Tankstellenshops und wenn andere erst anfangen, sind sie auf dem Heimweg oder sogar schon zu Hause.» Um die Ware abzuliefern, haben die Fahrer zu fast allen Kunden Zutritt, bei den einen mit einem Schlüssel, bei den anderen mit einem Code. «Der Fahrer öffnet selbstständig das Tor, schaltet den Alarm ab, versorgt die Frischware im Kühlbereich und allenfalls auch Tiefkühlprodukte im Tiefkühler, das Gemüse in einem separaten Bereich, schliesst alles wieder ab und fährt weiter. Die Auslieferung läuft zu 95 Prozent ohne Kundenkontakt ab», so Luginbühl. Ausnahme bilden die Genossenschaften und grossen Verteilzentren, in denen rund um die Uhr gearbeitet wird.
«Trotzdem hat der Fahrer eine sehr grosse Verantwortung, er ist allein beim Kunden, und das bedingt, dass er die Frischprodukte wirklich in den richtigen Bereich stellt und die Türen schliesst. Er muss die Lieferung kontrollieren und auch Leergut mitnehmen. Wenn etwas nicht stimmt, gibt es sofort Reklamationen.» Für viele Chauffeure ist das aber ein sehr angenehmes Arbeiten. Denn Ärger an der Rampe – traditionell ein Konfliktherd – gibt es so nie.

Rund-um-die-Uhr-Branche
Jede Lidl-Filiale wird zweimal täglich beliefert (in der Nacht mit Frischware und tagsüber mit Trockensortiment), eine Tour hat zwei bis drei Abladestellen und vor den Festtagen aufgrund der grossen Mengen manchmal sogar nur eine. Die Lastwagen fahren in zwei Schichten (je 300 bis 600 km) und sind somit sehr gut ausgelastet. «Wir beliefern exklusiv die sieben Tessiner Lidl-Filialen, so fahren jede Nacht sechs bis acht Nutzfahrzeuge in die italienische Schweiz. Bei den 300 Landi-Filialen hingegen fährt ein Chauffeur 20 bis 25 Adressen an. Zum Abladen der Rollwagen mit Gemüse – wir nennen es intern Stückgut – benötigt er bestenfalls fünf Minuten. Diese Touren sind zwischen 400 und 500 km lang.»
Die Fahrzeuge verfügen durchgehend über zwei Temperaturzonen, also zwei Kühlgeräte mit variabel verschiebbarer Trennwand. Die Temperaturüberwachung läuft über GPS. Lidl hat Echtzeitzugriff auf die Temperaturdaten «ihrer» Fahrzeuge. Selbst wenn eine Türe ausserhalb einer vordefinierten Geozone geöffnet wird – etwa bei einer Verkehrskontrolle –, geht bei Lidl der Alarm und die Dispo ruft sofort den Fahrer an, um die Ursache zu klären.
Die Fahrzeuge sind sechs, manchmal sogar sieben Tage in der Woche im Einsatz. Auf Platz stehen immer ein paar Auflieger als Reserve, Zugmaschinen seien da eher nicht das Problem, die könnten auch innerhalb der Schöni-Gruppe rasch organisiert werden. «Wenn beim Tiefkühltransport etwas kaputtgeht, muss man blitzschnell reagieren», erklärt Luginbühl. «Der Chauffeur kann 24 Stunden direkt in der Dispo anrufen und mit dem Disponenten und der Werkstatt schauen, was man machen kann.» Um die Ausfallquote zu minimieren, hat Thurtrans entschieden, anstatt alle zwei Jahre, wie von den Herstellern verlangt, die Kühlsysteme jährlich zu warten. «Wir hatten immer wieder ärgerliche Dinge, wie einen verstopften Luftfilter oder einen abgenutzten Keilriemen. Das waren ganz kleine Ursachen mit allerdings grosser Wirkung.» Nun wird immer im Frühjahr Service gemacht, «sodass wir für den Sommer, wenn es richtig heikel wird, mit unseren Fahrzeugen top vorbereitet sind», argumentiert Luginbühl.
Von Thurtrans-Blau zu Green Trucks
Die Schöni-Gruppe hat sich letzten Herbst für 22 neue LNG-Fahrzeuge (Liquefied Natural Gas = Flüssigerdgas) von Scania entschieden, davon erhält Thurtrans in den kommenden Wochen acht Stück. «Die Fahrzeuge von Schöni laufen bereits im Italienverkehr. Angefangen hatte alles mit der Ankündigung von Lidl, dass sie in fünf Jahren 25 Prozent CO₂ einsparen wollten. Man fragte uns, ob wir die Fahrzeuge beschaffen würden, wenn sie sich um die Tankstellen kümmerten. Nachdem wir das mit Daniel Schöni diskutiert hatten, kamen wir zum Schluss, dass es sich um eine interessante Technologie handelt, die auch wirtschaftlich betrieben werden kann. Für Scania haben wir uns im letzten Herbst entschieden, weil wir eine reine LNG-Lösung mit Ottomotor-Prinzip haben wollten, die ausschliesslich mit LNG betrieben wird. Andere Marken benötigen noch einen kleinen Teil Diesel und AdBlue.»
Seit drei Monaten sind die ersten Fahrzeuge bei Schöni im Einsatz. «LNG ist dann interessant, wenn man viele Kilometer fahren kann, also mindestens 100’000 bis 110’000 km pro Jahr. Und wenn die Fahrzeuge nicht lange stehen, denn dann erwärmt sich das Gas, dehnt sich aus und wird in die Umwelt ausgelassen. Und das will ja niemand. Wir mit unserem Zweischichtbetrieb und den teils langen Touren sind dafür prädestiniert. Lebensmitteltransport und LNG ergeben eine gute Partnerschaft.» Zurzeit koste eine LNG-Zugmaschine um die 30’000 Franken mehr als die entsprechende Dieselversion. «Der grosse Kostenfaktor ist der Tank», erklärt Luginbühl. «Wir haben aber sehr genau gerechnet. Wir kennen Anschaffungspreis, Verbrauch (25 – 26 kg/100 km) und den ungefähren Preis des Gases (CHF 1.15/kg).» Ob LNG auch künftig mineralölsteuerbefreit sein wird, darüber diskutiert zurzeit noch das Parlament. «Wir wissen noch nicht, wie es herauskommt, es gibt auch weder LSVA-Vergünstigung noch Anschubfinanzierung vom Bund. Wir drei Transporteure, die dieses Projekt angestossen haben, fühlen uns teilweise schon etwas allein gelassen von der Politik.»